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Apple Inc. (AAPL)

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krett
Posted

Das Thema mit den AppStore Provisionen und dem iPhone/iOS Ökosystem ist ja recht komplex und vielschichtig. Die EU hätte dutzende Stellschrauben, an denen man Apple zwingen könnte sich zu ändern:

  • Beteiligung an Umsätzen im AppStore
  • Monopol des AppStores auf Apple Geräten
  • Einschränkungen von Apps (Sandboxing)
  • Kein Zugriff auf bestimmte Gerätekomponenten (Zugriff auf NFC-Chip)
  • Keine Möglichkeiten Standardprogramme festzulegen (Beispiel: eine Kamera-App eines Drittentwicklers ist immer benachteiligt)

 

Aber egal wo die EU bei der Regulierung ansetzt, es gibt immer einen rieseigen Rattenschwanz an Problemen, wenn man einfach so eingreift. 

 

Die Frage ist also was und wie wird die EU regulieren? Ich persönlich gehe davon aus das die EU will, dass Apple künftig nicht mehr 30% vom Umsatz nehmen kann, wenn Apple selbst ein Konkurrenzprodukt hat. Allerdings betrifft das alle wichtigen Kategorien: Musik, Videostreaming, Gaming. Und ich spekulieren das die EU (noch) nicht dazu bereit ist anderen Themen mehr einzugreifen, weil Apples Marktanteil dafür zu niedrig ist. Als man Microsoft damals gezwungen hat anderen Browser vorzuinstallieren, hatte Windows ja ~90% Markanteil. Davon ist Apple weit entfernt, also -vermute ich- darf Apple u.a. weiterhin den AppStore als Monopol belassen. Wenn man hier reguliert, hätte Apple später gute Argumente um vor Gericht zu gewinnen.

 

Die EU könnte deshalb sagen, dass die Wettbewerbsbehinderung beim AppStore nicht durch die Konkurrenzsituation kommt, in der sich Apple mit einigen Entwicklern befindet (z.B. Apple Music Vs. Spotify), sondern das der eigentliche Missbrauch darin liegt, dass Apple andere Zahlungsmöglichkeiten verbietet und bei der eigenen 30% nimmt. Apple hat sich also sein eigenes Monopol bei der Zahlungsabwicklung geschaffen und nutzt dieses aus.

 

Die EU könnte es sich mit einer der beiden folgenden Lösungen recht einfach machen und das Thema abhaken:

  • Lösung 1: Die EU zwingt Apple, das es zulässt, das Entwickler eigene Zahlungsmöglichkeiten implementieren dürfen
    • Problem: Wer ist bei Missbrauch (der definitiv kommen wird) verantwortlich?
  • Lösung 2: Die EU erkennt Apples selbst geschaffenes Monopol beim Zahlungsverkehr und reguliert die Umsatzbeteiligung, wie man es bei Kreditkarten damals getan hat, dort wurden die Kosten von 2-3% auf 0,3% gedeckelt. Beim Appstore könnte ich mir eine Deckelung auf 3% oder so vorstellen.

Ich denke es wird auf Lösung 2 hinauslaufen. 

 

Was würde das für Apple bedeuten?

  • Ich bin kein Jurist, aber wenn die EU den Missbrauch so feststellt, halte ich es für möglich das Entwickler bereits in der Vergangenheit gezahlte Umsatzbeteiligungen zurückfordern.
  • Apple Verdiente zuletzt ~120 Milliarden/Jahr an "Service" (wie viel vom AppStore kommt weiß ich nicht). Wenn die o.g. Regulierung Weltweit greifen würde, könnte es Apple aber mehrere hundert Milliarden an Market Cap verlieren.

Wer jetzt glaubt das das alles zu heftig ist, um sich das vorzustellen: Bei Kartenzahlungen hat die EU auch hart durchgefriffen und aus EU Sicht gibt es kaum einen Grund das hier NICHT zu tun.

 

 

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Ramstein
Posted · Edited by Ramstein
vor 46 Minuten von krett:

Lösung 2: Die EU erkennt Apples selbst geschaffenes Monopol beim Zahlungsverkehr und reguliert die Umsatzbeteiligung, wie man es bei Kreditkarten damals getan hat, dort wurden die Kosten von 2-3% auf 0,3% gedeckelt. Beim Appstore könnte ich mir eine Deckelung auf 3% oder so vorstellen.

Du argumentierst m. E. zu kurz. Der AppStore ist nicht nur Zahlungsabwicklung, sondern Distribution, Updatemanagement, Prüfung auf Malware und Signierung, nicht zu vergessen die ganzen kostenlosen Entwicklertools und Guidelines.

Die EU könnte fordern, dass Apple 3rd-PartyAppStores erlaubt. Das zeiht aber auch wieder einen Rattenschwanz an Folgen nach sich.

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krett
Posted
vor 6 Minuten von Ramstein:

Du argumentierst m. E. zu kurz. Der AppStore ist nicht nur Zahlungsabwicklung, sondern Distribution, Updatemanagement, Prüfung auf Malware und Signierung, nicht zu vergessen die ganzen kostenlosen Entwicklertools und Guidelines.

Da hast du recht. 

Allerdings gibt es ja das offensichtliche Problem, dass z.B. Spotify im App Store mit Apple Music konkurriert. Spotify muss 30% an Apple abgeben, Apple kann alles für sich behalten. Eine offensichtliche Wettbewerbsverzerrung die man schlecht wegdiskutieren kann.

 

Apples Argumentation, die 30% sind für Distribution etc. (was du sagst) wird der EU kaum reichen. Warum macht sich am AppStore-Umsatz einer App fest, wie viel der Anbieter Zahlen muss? Facebook verdient vermutlich mit am meisten Geld mit seiner Facebook App und Apple hat immense Kosten für die Ausspielung der Updates.... und gleichzeitig verdient Apple 0€ an Facebook, weil Facebook an Werbeumsätzen verdient. Warum sollte die EU akzeptieren, das Spotify für die Vermarktung der Facebook App bezahlt und dabei der Wettbewerb eingeschränkt wird?

 

Man muss ja auch ehrlich sein und sagen das Apple vermutlich 90%+ Marge hat bei der 30%-Beteiligung. Die Kreditkartenanbieter haben ja auch Kosten die bei Kartenzahlungen entstehen und trotzdem hat die EU die Beteiligung gedeckelt. Auch insgesamt verdient Apple am iPhone, AppStore und allem was dazu gehört sehr viel Geld und hat sehr hohe Margen, das kann ein Regulator nicht ignorieren. Anders wäre es meiner Meinung nach, wenn Apple die iPhone zum Selbstkostenpreis oder mit Verlust verkauft und das Geld beim AppStore reinholt, aber auch da bin ich mir unsicher ob die EU über wie Wettbewerbsverzerrung Spotify/Apple Music hinwegsehen würde.

 

Zitat

Die EU könnte fordern, dass Apple 3rd-PartyAppStores erlaubt. Das zeiht aber auch wieder einen Rattenschwanz an Folgen nach sich.

Ja, ist natürlich denkbar. Wobei hier das Problem ist, dass dieses 3rd-Party-Stores kaum jemand nutzt. Die Leute nutzen das, was auf dem Gerät vorinstalliert ist. Bei Android kann man das ja beobachten. Wenn die EU in diese Richtung geht, müsste sie meiner Meinung nach also eher vorschreiben das diese anderen Stores von Anfang an vorinstalliert sind (wie bei Windows und den Browsern damals), aber wie du sagst würde das einen riesen Rattenschwanz geben, deswegen glaube ich da nicht dran.

 

 

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berliner
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vor 11 Stunden von Ramstein:

Du argumentierst m. E. zu kurz. Der AppStore ist nicht nur Zahlungsabwicklung, sondern Distribution, Updatemanagement, Prüfung auf Malware und Signierung, nicht zu vergessen die ganzen kostenlosen Entwicklertools und Guidelines.

Und dazu der Zugriff auf den Quellcode und das Recht, jederzeit konkurrierende Apps aus dem Appstore zu werfen - wohlgemerkt, nachdem man den Quellcode gesehen hat. Alleine das ist schon eine Frechheit. Es ist völlig absurd anzunehmen, daß Apples Service 30% des Umsatzes Wert ist. Man kann nur hoffen, daß diese Knebelverträge verboten werden.

 

Malwareprüfung, Signierung und dergleichen sind keine nennenswerten Aufwände. Da sitzt keiner und macht irgendwas manuell. Die Zahlungsabwicklung braucht man auch nicht. Kann man leicht in die App integrieren. Es gibt genug Zahlungsabwickler mit eigenen APIs, die man einbinden kann.

 

Natürlich muß man im Sinne des Wettbewerbs konkurrierende Appstores ins OS einbinden oder eigentlich sogar Apple zwingen, den App-Store separat an die Börse zu bringen. Wir erinnern uns an die Urteile gegen den Internet Explorer. MS mußte sich auch öffnen und Konkurrenz zulassen.

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berliner
Posted
vor 12 Stunden von krett:

Wer jetzt glaubt das das alles zu heftig ist, um sich das vorzustellen: Bei Kartenzahlungen hat die EU auch hart durchgefriffen und aus EU Sicht gibt es kaum einen Grund das hier NICHT zu tun.

...zumal Apple in der EU als Steuervermeider bekannt ist. Wird auf die App-Store-Verkäufe eigentlich Mehrwertsteuer fällig? Dadurch, daß Apple das Bezahlsystem vorschreibt, also quasi die Kasse hinstellt, an der die Kunden bezahlen müssen, könnte man argumentieren, daß Apple als Händler auftritt. Wenn Apple sich auf den Standpunkt stellt, daß die Verkäufe zwischen App-Anbieter und Kunde zustande kommen, kann eigentlich nicht vorgeschrieben werden, wie die ihr Geschäft abwickeln.

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krett
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Ja, da gab es ja auch die Sache mit Irland, als man Irland gezwungen hat einen zweistelligen Milliardenbetrag an Steuern von Apple einzufordern. Ich glaube am Ende ist es doch gescheitert, aber der Wille seitens der EU war da.

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hattifnatt
Posted
vor 8 Minuten von krett:

Ja, da gab es ja auch die Sache mit Irland, als man Irland gezwungen hat einen zweistelligen Milliardenbetrag an Steuern von Apple einzufordern. Ich glaube am Ende ist es doch gescheitert, aber der Wille seitens der EU war da.

Die EU ging in Berufung vor dem EuGH, was m.W. noch läuft:

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/kommission-berufung-eugh-urteil-eug-steuernachzahlungen-apple-irland/

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