Wertpapier Forum: ETF-Depot aufbauen

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ETF-Depot aufbauen Was man vorher lesen und wissen sollte Thema bewerten: ***** 31 Stimmen

#1 Mitglied ist online   Ramstein 

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Geschrieben 11. Mai 2014 - 08:01

Inhaltsverzeichnis

Beitrag #1: Einführung, "Kochrezept" zum ETF-Depot Aufbau (Aktien)
Beitrag #2: "Kochrezept" ETF-Depot (Anleihen)
Beitrag #3: Weitergehende Informationen (Links zu lesenswerten Dokumenten)
Beitrag #4: Regulierungen, Vorschriften, Gesetze (z.B. InvStRefG vom Sommer 2016)
Beitrag #5: Häufige Fehler
Beitrag #6: Aktienquote 100 - Lebensalter?

Beitrag #7: Ramsteins unmaßgebliche ETF Liste - ETF-Auswahl für Faule (neu)
Beitrag #8: BIP und Marktkapitalisierung: was ist der "richtige Mix" (neu)



"Kochrezept" ETF-Depot (Schwerpunkt Aktienmärkte)

Wie baue ich ein ETF-Depot im Wert von XXX Euro auf? Wie lege ich monatlich YYY Euro in ETFs an?

Um hierzu die wichtigsten Punkte zu erklären, habe ich mit Hilfe von kompetenten Forumsmitgliedern grundlegende Informationen zusammengefasst. Antworten auf immer wiederkehrende Fragen versuche ich laufend zu integrieren.

Kommentare, Anregungen und Co. könnt ihr in diesem Thread loswerden: http://www.wertpapie...depot-aufbauen/

Bevor ihr weiterlest:
Falls ihr die Informationen für neue Nutzer noch nicht gelesen habt, holt das jetzt bitte nach.
Falls ihr ETF-Grundlagen nachlesen wollt, schaut in das ETF-Handbuch der Börse Frankfurt


Einführung
Immer mehr Leute wollen "in Aktien" investieren. Aber wie? Einzelne Aktien kaufen ist riskant (Beispiele: BP, VW), die von den Banken empfohlenen aktiven Fonds haben beim Kauf teure Ausgabeaufschläge (3-5%) und hohe laufende Kosten (1,5-3%) pro Jahr. Aber es gibt einen "Königsweg":

Mit börsengehandelten ETFs (das ist die Abkürzung für Exchange-Traded Funds = börsengehandelte Fonds) kann man kostengünstig in die weltweiten Märkte investieren. Dadurch sind die Anlagen breiter diversifiziert (gestreut) und damit weniger zufallsabhängig, als wenn man Einzelwerte kauft. Gleichzeitig sind ETFs eine recht kostengünstige Methode der Anlage. Anders als bei aktiven Fonds, die gerne von den Banken verkauft werden, zahlt man keine Ausgabeaufschläge und deutlich niedrigere laufende Kosten.
Man entscheidet sich für eine Aufteilung, z. B. Märkte A, B, C mit 50%, 30%, 20% der Anlagesumme. Für jeden der Märkte sucht man dann einen oder mehrere passende ETFs aus.

Rebalancing
Alle 6 oder 12 Monate wird geschaut, wie sich das Depot entwickelt hat. Wenn die Gewichtungen deutlich (5% oder 10%) vom Plan abweichen, so sollte man ein Rebalancing durchführen. Dies gibt einen wichtigen Hinweis auf die Anzahl der Märkte, in die man investiert. Wenn z.B. der 20%-Anteil um 10% abweicht, so sind das nur 2% der Anlagesumme. Beispiel: 10.000 Euro Anlagesumme, 200 Euro Abweichung. Wenn man jetzt für 200 Euro kauft oder verkauft, so sind die Gebühren relativ hoch. Man sollte also im obigen Beispiel gut überlegen, ob man wirklich 3 verschiedene ETFs nimmt, oder ob nicht 2 auch ausreichen. Wenn das Depot wächst, kann man später immer noch neue ETFs dazu nehmen.

Für ein ausgewogenes Depot sollte man das Rebalancing zwischen den Asset-Klasse (Aktien, Renten) und auch innerhalb der Assetklassen zwischen den einzelnen Märkten durchführen.

Märkte
Grundsätzlich unterscheidet man die Hauptassetklassen Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Wie man sein Vermögen auf die einzelnen Assetklassen verteilt, muss jeder nach seiner persönlichen Situation beurteilen. Anregungen findet man bei @Schinzilord:
In diesem Beitrag geht es primär um Aktien; daher im folgenden nur kurze Bemerkungen zu den anderen Klassen.

Festzinsanlagen, Anleihen, etc.
In der momentanen Niedrigzinsphase erscheint es vielen angebracht, statt in sichere Anleihen in Tagesgeld und zeitlich gestaffeltes Festgeld und Sparbriefe zu investieren. Ein allgemeinen Forenbeitrag, der in diesem Bereich diesen Post etwas detaillierter ergänzen kann, sucht noch einen Author. Bisher sammele ich nur etwas Material im nächsten Beitrag.

Rohstoffe
Der Nutzen von Rohstoffanlagen ist umstritten und eine Anlage sollte gründlich überlegt sein. Sie sollten erst getätigt werden, sofern die Grundlagen verstanden wurden. Näheres dazu findet man in Rohstoffe - Grundlagen ; Woher kommt die Rendite bei Rohstoffen ; Sind Commodity-ETFs Nepp? ; Lohnen Rohstoff-Future-ETFs?

Immobilien
Ich rede nicht von der selbstgenutzten Immobilie, bei der i.d.R. andere Kriterien als bei einer Wertpapierinvestition gelten. Daher will ich hier nur Offene Immobilienfonds und REITS erwähnen, ohne in irgend einer Weise ins Detail zu gehen. Im Forum findet man zahlreiche Informationen dazu.

Aktien-ETFs: Regionale Gewichtung
Viele ETFs richten sich bei Anlagen nach der einzelnen Länder bzw. Regionen, indem sie einen Index nachbilden. Hierbei unterscheidet man üblicherweise nach Europa, Nordamerika, Pazifik, Emerging Markets und Frontier Markets.

Für die Gewichtung der Regionen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Üblich sind
  • Gewichtung nach Marktkapitalisierung (der Aktienmärkte); Methode der MSCI-Indizes. Dabei ist USA sehr stark gewichtet, da dort viel mehr Firmen börsennotiert sind als z.B. in Deutschland mit seinem starken Mittelstand
  • Gewichtung nach BIP; dabei wird nicht berücksichtigt, wenn in kleinen Ländern große Firmen mit weltweitem Geschäft angesiedelt sind
  • Mischformen nach eigener Einschätzung und Vorliebe

Dabei sollte man auch immer berücksichtigen, dass für den Erfolg eines Unternehmens in aller Regel die Märkte, auf denen es präsent ist, wichtiger sind als das Land, in dem die Gesellschaft ihren Sitz hat. Eine Übersicht zu Marktkapitalisierung und BIP in der Welt gibt es hier.
Diskussion über Gewichtungsarten eines "Weltdepots" findet man hier:
Weltdepot – Was ist der beste Mix? MK vs. BIP vs. EW vs. Korrelation vs. Forward-Looking.

Vermutlich bringen fixe Verteilungswerten ähnlich vorteilhafte Effekte wie eine Verteilung auf das letzte BIP-Promille genau, zumal es etwas schwer ist zu argumentieren, dass die Gewichtung von z.B. Glencore, Nestle und Novartis von Schweizer BIP abhängen sollte. Und auch die großen Unternehmen an der London Stock Exchange - von BP über Imperial Tobacco bis Vodafone - machen ihr Geschäft nicht überwiegend in England.

Zugrunde liegende Indizes
Für die einzelnen Aktienmärkte gibt es verschiedene Indizes, in die man über ETFs investieren kann. Beispielhaft seien hier genannt:
  • Europa: STOXX Europe 600, MSCI Europa (eventuell MSCI EMU; nicht meine Wahl)
  • Nordamerika: MSCI North America, MSCI USA, S&P 500
  • Asien: MSCI Pacific
  • Emerging Markets: MSCI Emerging Markets
  • Frontier Markets: MSCI Frontier Markets
  • Small Caps: MSCI World Small Caps, MSCI Emerging Markets SmallCap, MSCI Europe Small Cap, MSCI USA SC, S&P SmallCap 600, Russel 2000

MSCI sagt zu den Indexkonstruktionen:

Zitat

  • The MSCI Standard Indexes cover all investable large and mid cap securities across the Developed, Emerging and Frontier Markets and target approximately 85% of each market's free-float adjusted market capitalization.
  • The MSCI Mid Cap Indexes cover all investable mid cap securities across the Developed, Emerging and Frontier Markets and target approximately 15% of each market's free-float adjusted market capitalization.
  • The MSCI Small Cap Indexes cover all investable small cap securities with a market capitalization below that of the companies in the MSCI Standard Indexes, targeting approximately 14% of each market’s free-float adjusted market capitalization.
  • The MSCI Micro Cap Indexes cover approximately 5,000 micro cap securities across Developed Markets countries, using size and liquidity requirements specific to this size segment.

  • The MSCI World Index captures large and mid cap representation across 23 Developed Markets (DM) countries. With 1,643 constituents, the index covers approximately 85% of the free float-adjusted market capitalization in each country.
  • The MSCI Emerging Markets Index was launched over 25 years ago and is designed to measure the equity market performance of the emerging markets.
  • The MSCI Frontier Markets Index includes large, mid and small cap companies, covering approximately 99% of the investable equity universe across all frontier markets countries while taking investability requirements into consideration within each market.

  • The MSCI's All Country World Index (ACWI) is the industry’s accepted gauge of global stock market activity. Composed of over 2,400 constituents, it provides a seamless, modern and fully integrated view across all sources of equity returns in 46 developed and emerging markets.

  • The MSCI Investable Market Indexes (IMI) cover all investable large, mid and small cap securities across the Developed, Emerging and Frontier Markets, targeting approximately 99% of each market's free-float adjusted market capitalization.

  • The MSCI All Cap Indexes combines the MSCI IMI Indexes with the MSCI Micro Cap Indexes the across the Developed Markets countries.

Wesentlicher Merkpunkt: MSCI baut seine Indizes nach Marktkapitalisierung! Details zu den Gewichtungen findet man weiter unten in diesem Beitrag.

Ein pragmatischer Ansatz könnte so aussehen:

1 ETF (einfach bei geringen Summen oder wenn man sich um nichts kümmern will):
  • MSCI All Country World (Investable Market) Index (ACWI, evtl auch IMI); bis auf die Steuern am einfachsten; gewichtet nach Marktkapitalisierung und damit USA-lastig

2 ETFs (einfache Mischung aus Industrie- und aufstrebenden Länder):
  • (entwickelte) Welt: 70%
  • Emerging Markets: 30%

3 ETFs (eher BIP-gewichtet):
  • (entwickelte) Welt: 50%
  • Europa 20%
  • Emerging Markets: 30%

4 ETFs:
  • Europa: 30%
  • Nordamerika: 30%
  • Pazifik: 10%
  • Emerging Markets: 30%

6 ETFs:
  • Europa: 26%
  • Nordamerika: 26%
  • Pazifik: 8%
  • Emerging Markets: 26%
  • Frontier Markets: 4%
  • Small Caps: 10%

Es sei noch einmal betont, dass die o.g. Aufteilung keine "in Stein gemeisselte" optimale Verteilung ist, die "besten" Erfolg garantiert.

Um ein Kern-ETF-Portfolio kann man in einer Core-Satellite-Strategie nach persönlichen Vorlieben und Einschätzungen dann noch weiter ETFs beimischen. Hier bieten sich Strategie-ETFs an wie Large Caps, Small Caps, Value-Aktien, Dividendenwerte, Wachstumswerte oder Branchenfonds und Länderfonds um nur einige zu nennen. Manche Anleger möchten auch bewusst den Heimatmarkt (Deutschland oder Eurozone) bevorzugen. Hauptsache man weiss, was man will und tut. Weitgehender Konsens herrscht, dass in der Vergangenheit(!) Small Caps meist eine höhere Rendite bei höheren Schwankungen gebracht hat. Ob das auch in Zukunft so sein wird, weiss natürlich niemand. Dennoch sollte man bei größeren Depots erwägen, SCs dazu zu nehmen. Die anderen Strategie-ETFs (sehr beliebt: Dividenden-ETFs) sind zumindest meiner Meinung nach nicht wirklich renditefördernd. Wer ernsthaft an so was denkt, sollte sich vorher unbedingt mal die sehr guten Index-Statistiken von otto03 anschauen.

ETF-Konstruktion und Kosten
ETFs können entweder alle Aktien aus dem jeweiligen Index (replizierend), oder eine Auswahl der Werte (optimiert), oder auch SWAP-basiert den Index nachbilden. Letztere kaufen ganz andere Wertpapiere als in dem nachzubildenden ETF-Portfolio und schließen dann mit einer Gegenpartei einen SWAP-Vertrag, der die Performance der gehaltenen Werte gegen die Performance der ETF-Werte „tauscht“. Jede Konstruktion hat ihre Vor- und Nachteile; letztendlich muss jeder selbst entscheiden, was er kauft. Viele ETFs betreiben Wertpapierleihe, d.h. sie verleihen ihre Aktien gegen Gebühr (und i.d.R. Sicherheiten) an andere Marktteilnehmer; aus den Einnahmen können Teile der Verwaltungskosten gedeckt werden. Auch dies lehnen manche Investoren ab.

Für die Kosten muss gesetzlich vorgeschrieben eine TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote) angegeben werden. Leider sind in der TER aber nicht alle Kosten enthalten. ETFs können zusätzlich z.B. Transaktionskosten und SWAP-Kosten erheben, oder auch Erträge erwirtschaften. Ob sie es tun, muss man immer(!) direkt bei der Fondsgesellschaft(!) z.B. im jeweiligen Jahresbericht des ETFs nachlesen.
Wichtig für den Anleger ist die Tracking-Difference (TD): die Abweichung der ETF-Wertentwicklung von der Index-Wertentwicklung. Da sind alle Kosten berücksichtigt und viele Gesellschaften geben den Erwartungswert für die Tracking-Difference / Abbildungsdifferenz zum Index an; genau bestimmen lässt er sich aber immer erst im Nachhinein.
Manche ETFs (meistens auf vom Anbieter kreierte Indizes) können weitere Kosten haben.
Die in manchen Dokumenten genannten Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren gelten nicht für den privaten Endkunden; sie fallen nur im Creation/Redemption-Prozess an.

Fondswährung
Ob die Fondsgesellschaft den ETF in Euro oder US$ führt, ist für die Performance egal. Dies wurde schon oft im Forum gesagt und hier von chemstudent sehr schön erläutert.

Steuern
Die Abgeltungssteuer sollte es einfach machen; bei Fonds ist das leider nicht gelungen. Einfach ist es für Fonds (auch ETFs sind Fonds) mit Domizil in Deutschland. Achtung: Das „Domizil“ kann man nicht aus der DE-ISIN schließen, man muss beim Anbieter nachschauen (Beispiel: ishares). Schwierig wird es bei Fonds mit ausländischem Domizil, da hier die Angaben in der Steuerbescheinigung der Bank oftmals nicht ausreichend sind. Für ausländische Thesaurierer muss bei bundesanzeiger.de geprüft werden, ob steuerpflichtige Erträge anfallen. Viele ETFs vermeiden solche Erträge und sind daher steuerlich unproblematisch, aber niemand kann garantieren, dass das auch für die Zukunft so bleibt. Also: jährlich prüfen. Diese Problematik wird im Forum in folgende Fäden diskutiert:
Steuerstatus und Trackingdifferenzen von Aktien-ETFs auf Standardindizes (Pflichtlektüre!)
Der elektronische Bundesanzeiger und die Veröffentlichung von Besteuerungsgrundlagen
Steuer bei ausländischen thesaurierenden Fonds konkret in der Steuererklärung
Kurze Anleitung: steuereinfache Fonds/ETF selbst finden
Eine sehr umfangreiche Anleitung gibt es bei Allianz Global Investors als PDF. Lesenswert!

Wenn man den Sparer-Pauschbetrag noch nicht ausgeschöpft hat (geringe Kapitaleinkünfte, Depot für Kinder), ist es sinnvoll, ETFs zu bevorzugen, die steuerpflichtige Erträge erzeugen, um den jährlichen Pauschbetrag nicht verfallen zu lassen. Neben ausschüttenden ETFs kommen dafür auch thesaurierende ETFs in Frage, die ohne Swaps arbeiten.

Wenn man jede Region mit einem separaten ETF bespart, kann man zur Steueroptimierung eventuell wahlweise Gewinne oder Verluste generieren zur Steueroptimierung. Das geht bei einem ACWI natürlich so nicht.

Einen ausschüttenden dauerhaft steuereinfachen (Domizil Deutschland) MSCI-World ETF gibt es zurzeit nicht; egal wie oft danach gefragt wird.

Steuerlich intransparent ausländische Fonds (z.B. US-Fonds von Vanguard), die keine Steuerdaten beim Bundesanzeiger hinterlegen, verursachen einen erheblichen Aufwand bei der Steuererklärung und sollten m.E. gemieden werden. Dies wird sich nach der letzten Gesetzesänderung ab 2018 wohl ändern.

Fondsanbieter, Vergleichsplattformen
ETFs sind beliebt. Es gibt viele ETF-Anbieter und viele Plattformen in Internet, die über ETFs informieren. Beliebte Vergleichsplattformen sind u.a. justetf, extra-funds und fondsweb. Aber Achtung: dort sind nicht immer alle Daten korrekt. Man sollte zur Sicherheit immer(!) bei KAG/Anbieter/Emittent nachschauen, insbesondere was Kosten und Domizil angeht.

Immer wieder gern gefragt wird auch: "Was passiert, wenn der ETF-Anbieter insolvent wird?" Die Antwort lautet: Nicht viel. Die ETFs sind Sondervermögen und gehören nicht zur Insolvenymasse. Oder hier am Beispiel der DB-ETFs.

Kauf und Verkauf
ETFs kann man oftmals nicht bei der Fondsgesellschaft kaufen oder an diese zurückgeben. Der Handel findet dann an den Börsen und mit Direkthandelspartnern statt. Kaufen und Verkaufen kann man ETFs über eine Bank oder einen Broker. Oftmals bekommt man sie im Bankgespräch aber nicht angeboten, da die Bank an ETFs kaum etwas verdient und lieber ihre teuren aktiven Fonds verkaufen möchte. Da hilft nur hart bleiben; der Kunde ist König. Oder man entscheidet sich gleich für einen kostengünstigen Online-Broker.
ETF-Preise werden von einem Marketmaker gestellt, der diese i.d.R. auch bis zu einem bestimmten Geld/Briefvolumen (z.B. 50.000 Euro) hält. Oftmals kann man auch über einen Direkthandelspartner gebührengünstiger als über eine Börse kaufen.

Einstieg
Immer wieder stellt sich auch die Frage, wie man einen größeren Betrag anlegt. Einfach kaufen, oder schrittweise in den Markt einsteigen? Statistisch gesehen verringert man über den schrittweisen Einstieg das Risiko, Verluste zu erleiden, man senkt aber die zu erwartende Rendite (siehe Vanguard Studie dazu). Man steigert aber nicht die durchschnittliche zu erwartende Rendite. Dennoch ist die gängige Empfehlung, größere Summen in zwei bis 5 halbjährlichen Teilbeträgen zu investieren, insbesondere wenn die Aktien schon relativ hoch stehen wie momentan (Sommer 2016).

Sparplan
Es gibt bei vielen Brokern kostengünstige oder kostenlose Sparpläne, aber leider immer nur auf ausgewählte ETFs. Da muss man mal suchen, was zu einem passt, zum Beispiel hier.
Beim Sparplan kann man relativ einfach ein Rebalancing durch temporäres Anpassen der Raten vornehmen.

Risiko
Natürlich hat auch eine ETF-Anlage ein Risiko. Dies ist durch die breitere Diversifikation zwar geringer als bei einzelnen Aktien, aber vorhanden. Da ETF-Depots in der Regel längerfristig angelegt werden, sind kurzzeitige Kursrückgänge schlecht für die Nerven, aber kein allgemeiner Hinderungsgrund. Das DAI Deutsche Aktieninstitut veröffentlich für DAX und EURO STOXX 50 Renditedreiecke, die für die Vergangenheit zeigen, wie die längerfristige Performance aussieht.

Für konkrete ETFs veröffentlicht comstage auf seiner Transparenzseite aktuelle Value-at-Risk-Werte. (VAR-Definition siehe Wikipedia). So kann man beispielsweise (Zahlen vom März 2016) sehen, dass (beruhend auf den Zahlen der Vergangenheit) für einen DAX/MSCI World-ETF mit 99,9% Wahrscheinlichkeit der Verlust innerhalb eines Jahres unter 79%/48% bleibt und mit 95% Wahrscheinlichkeit unter 38%/26%. Je breiter diversifiziert, desto geringer das Risiko.

ETF-Dachfonds, wikifolios auf ETFs, etc.
Hiervon rate ich ab, da in den meisten Fällen davon nur der Organisator profitiert. Recht Informatives über Multi-Asset-ETFs findet man bei Morningstar:
ETF-Dachfonds: Ein großes Missverständnis?
Der nicht so feine Unterschied zwischen ETF-Portfolios und ETF-Dachfonds


Literatur
In Deutschland ist „der Kommer“ das Standardwerk zur ETF-Anlage. Er ist durchaus lesenswert, aber natürlich ist der (ETF-)Markt dynamisch und man sollte Kommers ETF-Empfehlungen nicht sklavisch umsetzen.

Weitere Informationen
Hier im Forum gibt es schon mehrere Informationsfäden und auch ETF-Musterdepots, die man sich anschauen sollte, z.B.
Verschiedene Indexkombinationen Aktien / Renten / Rohstoffe
Die Mischung macht's dabei unbedingt Beitrag #4 lesen!
ETF Langfristdepot für kleine, mittlere und große Vermögen (die konkrete ETF-Auswahl ist nicht mehr aktuell)
Verschiedene ETF-Depotvarianten zusammengefasst dargestellt
Einsteiger-Portfolio mit drei ETFs
Top-10 Threads über Fonds und Fondsdepot

Hier kann man sich zur Zinsanlage einlesen:
Renten-ETF vs. Tagesgeld/Festgeld/Sparbriefe
Ist es zur Zeit sinnvoll Anleihen zu kaufen?

Wie entstehen eigentlich ETF-Anteile?
http://www.boerse-am...s-etfs-316.html

Sehr gute Erläuterungen zur Sicherheit von ETFs:
http://www.wertpapie...post__p__894972

Wertpapierleihe und Swaps bei ETFs erklärt:
http://www.wertpapie...post__p__900955

TER: Wie wird sie bezahlt?
http://www.wertpapie...ie-ter-bezahlt/

Morningstar ist immer einen intensiven Blick wert (Ich habe mich kostenlos als Mitglied registriert):
Das große Einmaleins der Index-Anlage
Drei Schritte zum richtigen ETF
Was entscheidet über die Qualität eines ETF?
Wie bilden ETFs den Index nach?
Welcher ETF ist der beste Tracker im ganzen Land?
Morningstar Academy
Morningstar Manager Research November 2014: A Guided Tour of the European ETF Marketplace
ETF ABC: Tracking Error versus Tracking Difference (Wir erläutern zwei wichtige Kennzahlen, die Anlegern die Beurteilung der Qualität von ETFs vereinfacht. Was sie speist, was sie aussagen – und was nicht.)
USA-ETFs im Tracking Test (Haben ETFs der Morningstar Kategorie USA Standardwerte einen guten Job gemacht? Wir gehen der Frage in unserer Serie zu Tracking Error und Tracking Difference nach. Und lösen nebenbei ein kleines Performance-Rätsel. )
Anlegerfehler? Risikoprämien? Anomalien? Überlegungen zum Alpha und Beta von heute (Der große Konflikt innerhalb der Finanzwissenschaft zwischen „Behaviorismus“ und „Quants“ scheint sich aufzulösen. Es gibt alternative Prämien am Markt zu ernten. Aber das macht die Aufgabe für Investoren nicht leichter. Schließlich ist nicht alles immer so wie es scheint.)
ETF-Portfolios für die Langfristanlage (ETFs eignen sich hervorragend für langfristige Sparvorgänge. Doch die Zusammenführung von ETFs in den Portfolio-Kontext ist mühsam. Geeignete standardisierte Produkte sind Mangelware. Wie stellen vier Portfolio-Ideen für langfristiges Sparen mit ETFs vor.)
ETF-Portfolios zwischen Performance-Perspektiven und Anlegererwartungen (Im ersten Teil unseres Artikels zu diversifizierten ETF-Portfolios haben wir vier Konstruktions-Ideen präsentiert. Nun wollen wir uns das bisherige Rendite-Risiko-Profil anschauen und Szenarien für die mögliche künftige Entwicklung entwerfen. Das latente Spannungsfeld zwischen Rendite-Erwartungen und -Perspektiven ist zu beachten.)
Bogle: Smart Beta ETFs Do Not Work (Strategic beta funds do not work, says Vanguard founder Jack Bogle - mostly because investors fail to time the market and end up chasing gains)

MSCI UCITS TR & Co. – Warum haben ETFs so komische Namen?
Synthetisch replizierende ETFs – Wie risikoreich ist ein Swap-ETF?
What Is the Optimal Rebalancing Strategy?
Vanguard: Best practices for portfolio rebalancing
Vanguard: cost averaging just means taking risk later

Calculating the case of commodities in asset allocation


Gerd Kommer: In fünf Schritten zum ETF Weltportfolio (Interview August 2016)

Die Börse Frankfurt bietet zahlreiche Publikationen, auch zu ETFs.

Finanzwesir: Die Ein-Fonds-Lösung
Der Portfoliomanager: Der große Guide zum Weltportfolio


Hochschulveröffentlichungen:
Funktionsweise und Replikationstil europäischer Exchange Traded Funds auf Aktienindices
Unterschiede und Gemeinsamkeiten börsennotierter, passiver Investmentprodukte (PDF)

Videos
Prof. Weber: Wie soll ich mein Geld anlegen? Vor der Krise, in der Krise, nach der Krise


Falls ihr Fragen, Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen habt: gerne hier. Ich werde diesen Beitrag dann gegebenenfalls aktualisieren.


Zum Abschluss etwas schamlose Eigenwerbung: Mein ETF Weltdepot - Anleihen für Dummies


PS: ETF ist ein englisches Akronym und bedeutet Exchange-Traded Fund.
PPS: Der Plural von ETF ist ETFs, nicht ETF's und erst recht nicht ETf's!!
PPPS: Ein Fond ist Suppe, man investiert in den Fonds (auch im Singular mit "s").
P4S: Bei ETFs gibt es grundsätzlich keine Ausgabeaufschläge wie bei aktiven Fonds.
P5S: bei Sparplänen werden aber häufig ATCs (Additional Trading Costs) berechnet.


Letzte Änderungen:
Nachtrag 10. April 2016: Risiko-Abschnitt eingefügt
Nachtrag 19. Juni 2016: MSCI Index Klassifikationen überarbeitet
Nachtrag 27. Juni 2016 ETF Dachfonds, wikifolios
Nachtrag 29. Juni 2016 Kauf/Verkauf überarbeitet
Nachtrag Juli&August 2016: diverse Korrekturen, Ergänzungen, Links
Nachtrag September 2016: ETF-Vorschläge hier entfernt und in Beitrag #7 gestellt.
Nachtrag Oktober: MSCI-Gewichtung weiter erläutert, Video von Prof. Weber verlinkt, Einführung ergänzt
Nachtrag November: Morningstar-Links ergänzt

Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 21. November 2016 - 10:13

We don't receive wisdom; we must discover it for ourselves after a journey that no one can take for us or spare us. Marcel Proust
Why waste time learning, when ignorance is instantaneous? Hobbes/Bill Watterson
Informationen für neue Nutzer - Anleihen für Dummies - ETF Depot aufbauen
mein Bonddepot - mein ETF Weltdepot - Depots und Performance


 Weiterführende Informationen:

#2 Mitglied ist online   Ramstein 

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  • Registriert: 19. Oktober 09

Geschrieben 11. Mai 2014 - 08:10

"Kochrezept" ETF-Depot (Schwerpunkt Anleihen)
Da es irgendwie keinen Freiwilligen gibt, der einen Bond-ETF-Aufbau-Beitrag schreiben will, habe ich erst einmal angefangen, mir subjektiv selektiv positiv auffallende Beiträge zusammenzukopieren. Hoffentlich wird dann irgendwann mal ein Beitrag raus.

Immer wieder von mir bemerkt: Bei Anleihen-ETFs wird auf die Vergangenheitsperformance geschaut. Relevant ist aber die durchschnittliche Effektivverzinsung des Portfolios. Das ist die durchschnittliche Rendite, falls die Anleihen bis zu Fälligkeit gehalten werden.

High-Yield-ETFs - Die richtige Wahl?
Die momentane Niedrigzinsphase lockt immer mehr Anleger in den High-Yield-Bereich. Aus gründen der Diversifikation und Risikostreuung bieten sich Fonds an. Es stellt sich hier aber die Frage, ob - wie bei Aktien - ein ETF wegen des Kostenvorteils einen Performancevorteils gegenüber einem aktiven Bondfonds erwarten lässt.
Ich bin davon zurzeit nicht so ganz überzeugt. Hier mal einige aktive und passive Fonds, die ich mir angeschaut habe, ohne bisher zu kaufen:


Anregungen und Diskussion dazu bitte hier: http://www.wertpapie...depot-aufbauen/


Links:
Zinsstrukturkurve (Börse Stuttgart)
Licuala: ETF für Pfandbriefe und Anleihen
Sparfux: Renten-ETF vs. Tagesgeld/Festgeld/Sparbriefe
Ramstein: Jetzt in aktive Anleihefonds oder ETFs mit Anleihen hoher Bonität investieren?
Schizilord: Erläuterungen zur Duration
Anleihen-ETFs, wo ist der Haken ? Verständnisfrage!
Chemstudent: Kombination 70% ACWI GDP mit 30% Staatsanleihen (jeweils Global, Global hedged und Eurozone)
odensee: "Sicherer" Anteil des Depots
Finanzwesir: Leserfrage: Welchen Anleihen-ETF soll ich wählen?
Beispiel Euro-Renten-ETFs: Warum steigen sie (noch)?
Discount-Zertifikate als Festgeldersatz?
Hochzins-ETFs: Mythen und Fakten zu einer oft missverstandenen Produktgruppe (09.06.2016)
Emerging market bonds (Bogleheads) 20.06.2016
Schwellenländer Rentenfonds mit positiven Morningstar Ratings 29.11.2016

Zitate:

Beitrag anzeigenCorvusCorax, 20. August 2014 - 09:07:

Meiner Recherche nach waren Anleihen höchster Qualität (AAA-only) mit einer durchschnittlichen Duration von ± 5 Jahren in der Vergangenheit stets eine sehr gute Hedge gegen Deflation, als auch gegen Inflation. Und dabei geht es eben im risikofreien Anteil nicht immer nur um die Rendite, diese ist m.M.n. zweitrangig oder ggf. sogar eher drittrangig. Es geht viel mehr um einen gesunden Laufzeit-Mix und diesen erreicht man eben mit Tagesgeld alleine nicht (kein Hedge gegen fallende Zinsen oder Deflation). Und ganz ehrlich: Tagesgeld als langfristiger Vermögensaufbau? Da gibt es doch ständig die Versuchung das Geld doch zweckentfremdet auszugeben. Sparbriefe lasse ich mir ja noch gefallen, diese sind eine gangbare Alternative.


Beitrag anzeigenSchinzilord, 20. August 2014 - 09:20:

Die Renten-ETF Kurzläufer braucht aktuell doch niemand:

- "falsches" Geld ( < 100000€ als Abgrenzung zu Ramsteins "richtiges" Geld): Tagesgeld, Sparbriefe
- "richtiges" Geld ( >100000€, also Probleme mit Einlagensicherung): Da kann ich
a.) immer noch auf mehrere Geldinstitute aufteilen
b.) oder ich kaufe mir direkt Anleihen der BRD oder anderer AAA Schuldner mit kurzen Laufzeiten.

Das mit dem risikofreien Anteil und dem riskanten Portfolio und dem Mix aus beiden nach persönlichem Gusto ist übrigens CAPM und nicht MPT. Die MPT wäre nur innerhalb des riskanten Portfolios zuständig...


Beitrag anzeigenNudelesser, 20. August 2014 - 10:44:

Beitrag anzeigenthowi, 19. August 2014 - 22:10:

Nunja, eben diese Kurzläufer höchster Bonität in Heimatwährung entsprechen doch am ehesten einer "risikofreien" Anlage - und sollten daher doch auch im "riskiofreien" Anteil des Portfolios landen, richtig?
...
Oder wo ist mein Denkfehler?



Du musst entscheiden, was der Begriff „risikofrei“ für Dich bedeuten soll.

Entweder Minimierung des Bonitätsrisiko und ansonsten eine möglichst negative Korrelation mit Aktien. => AAA Anleihen mit Tendenz zu längeren Laufzeiten bzw. u.U. länger laufende Festgeldleiter (dies ist üblicherweise die Sichtweise strenger Passivisten).

Oder Minimierung von Bonitätsrisiko und Zinsänderungsrisiko. Hierbei verzichtet man auf die negative Korrelation zu Aktien, schließt aber auch das Risiko nominaler Verluste aus. => möglichst cashnahe Anlagen, also Tagesgeld oder AAA Kurzläufer

Wenn diese Grundsatzentscheidung erst einmal gefallen ist, dann kann man immer noch überlegen, ob und wie man aufgrund der absonderlichen Zinssituation von der reinen Lehre abweichen will und möglicherweise taktisch das Gegenteil von dem tut, was man strategisch für richtig hält.


Beitrag anzeigenlurklurk, 21. August 2014 - 11:44:

Ich habe den Eindruck, dass Schinzilords Unterscheidung zwischen MPT und CAPM nicht ganz durchgedrungen ist. Eingefügtes Bild

ENTWEDER man stellt sich einfach ein Portfolio mit Überlegungen zu künftigen Korrelationen, Renditen, Volatilität, Drawdows im Zeitablauf usw. zusammen. (Problem natürlich: das richtige Abschätzer dieser Zahlen). Das ist, was hier im Thread unter "MPT" abgehandelt wird, Markowitz ff. Dabei wird "MPT" in der Öffentlichkeit leider gerne nur auf Volatilität als Risikomaß reduziert, obwohl Markowitz sich schon in seinen ersten Veröffentlichungen auch mit Semivarianz, maxDrawdown usw. auseinandergesetzt hat. Mangels leistungsfähiger Computer war das nur damals nicht so einfach umsetzbar. Zum anderen wird ganz allgemein heutzutage mehr berücksichtigt. Wechselhafte Korrelationen, schwankende Volatilität (Cluster), sich mit der Zeit verändernde (Risiko)prämien usw. Portfoliotheorie ist nicht mehr auf dem Stand von 1965.

In diese Kategorie gehören Überlegungen wie AAA-Staatsanleihen mit Restlauftzeit/Duration XY <> Aktien in Krisenzeiten und ähnliches. Oder die Sache mit dem Bonitätsrisiko; bisher hat es sich abseits von erfolgreichem Anleihenpicking selten gelohnt, einem Portfolio aus AAA-Anleihen und Aktien noch nennenswertes Bonitätsrisiko beizumischen (IG/HY; EM-Anleihen). Weder mit 100 Jahren US-Daten, noch mit DM-Daten seit den 60ern, noch mit HY-Daten seit den 80ern. Bei gleicher Rendite führte das zu ähnlicher Volatilität des Portfolios, aber zu größeren Drawdowns. Oder andersherum: bei Rückrechnungen, in denen man die Gewichtung so wählt, dass vergleichbare Drawsdowns herauskommen, wurde das Bonitätsrisiko nicht angemessen vergütet - entsprechende Portfolios rentieren regelmäßig schlechter. Deshalb finden sich dann bei Weber oder Kommer auch keine nennswerten Bonitätsrisiken. Mit "passiv" hat dabei aber eigentlich nur das Instrument "Anleihen-ETF" zu zu tun - die Anleihenaufteilung selbst ist dagegen eine klare Abweichung vom (Renten-)Marktportfolio auf Basis der (jüngeren) Vergangenheit.

Es gab ein paar Ausnahmen: wenn jemand insbesondere HY in Zeiten sehr hoher AAA<>HY-Spreads gekauft hat (wie 2008 -> Top-Rendite danach). Oder speziell bei IG/HY-Kurzläufern oder den ehemals IG-bewerteten HYern ("fallen angels"). Aber für den Dauerhalter der ganzen Assetklassen war es bisher die schlechtere Wahl. Die Preisfrage ist natürlich, ob das auch in Zukunft so sein wird. Vielleicht, vielleicht auch nicht. In den ersten 2/3 des 19. Jahrhunderts war z.B. die Aktienprämie in den USA recht lausig im Vergleich zum Aktienrisiko. Da wäre ein Portfolio aus sicheren Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Aktien die bessere Wahl gewesen. Welches Risiko will ein Anleger nun eher vermeiden will: Drawdowns oder Dümpelrenditen (durch die Aktien)?

ODER man hat bereits ein Portfolio, dass im Blick auf Rendite und Risiko alle anderen dominiert. Im CAPM ist das einfach das gesamte Marktportfolio, wozu natürlich auch Anleihen inkl. Unternehmensanleihen, ein bisschen HY usw. gehören. Noch genauer gehören allerdings ALLE Anlagen dazu, aggregierte diskontierte Erwerbseinkommen (Humankapital), Renten- und Pensionsansprüche, Eigenheime usw. Das ist aber in der Praxis nicht wirklich berechenbar, auch wenn es natürlich versucht wurde/wird (diverse CAPM-Abarten). Beschränken wir uns aber der Einfachheit halber auf börsennotierte Anlagen, z.B. global mittels MSCI ACWI IMI für Aktien + Barclays Multiverse für Anleihen. Vielleicht noch 1% für einen Gold-ETF dazu. Dieses Portfolio ist unabhängig von der eigenen Risikobereitschaft das "Beste", dominiert alle anderen. Deshalb ist hier dann der Königsweg, einfach durch Hinzufügen einer wirklich risikofreien Anlage oder durch billigen Kredit das Risiko und die Renditechance rauf und runter zu multiplizieren. In der Praxis ist das mit dem billigen Kredit allerdings nicht so einfach (für Privatanleger). Nicht unmöglich, aber schwierig. Deshalb läuft "mehr Chance/Risiko" dann regelmäßig doch darauf hinaus, das Portfolio umzustellen, konkret meist: mehr Aktien reinzunehmen.

Ein Hybrid ist nun, als dominierendes Portfolio nicht das (globale) Marktportfolio zu nehmen, sondern sich ein eigenes zusammenzustellen. Z.B. weil man den weltweiten Kapitalmarkt nicht für voll effizient hält. Gibt ja auch durchaus gute Gründe dafür. Das ist, was in Schinzilords eigenem Depot abläuft: Aktien (BIP-Strategie) + Anleihen (4 Arten) + Reits + Rohstoffe. Auch dort sind aber diverse Zinsanlagen bereits im "risikobehafteten" Teil enthalten. Zum Herunterregeln dient dann sinnvollerweise wirklich nur Tagesgeld, Festgeld <= 1 Jahr, AAA-(Ultra-)Kurzläufer oder ähnliches. Und dabei sehe auch ich wenig Grund, mit AAA-Kurzläufern auf mindestens 1% p.a. an Rendite zu verzichten. Bei gezieltem Cashflow/Liability-Matching bietet sich aber durchaus auch eine bis zum Laufzeitende gehaltene AAA-Staatsanleihe oder ein Sparbrief mit AAA-Einlagensicherung oder ähnliches als risikofreier Teil an - nominale Langläufer/Langfristsparverträge bei nominalen Verpflichtungen, inflationsindexierte Produkte bei realen.

Kurzfassung von alledem: entweder plant man mit der sogenannte "Tobin-Separation" - dabei entweder mit dem Markt ("CAPM") oder etwas eigenem ("Hybrid") als Tangentialportfolio. Oder man tut es eben nicht.


Beitrag anzeigenbondholder, 18. November 2014 - 17:14:

db x-trackers II iBoxx Germany Covered UCITS ETF 1C (WKN DBX0AX)
Kannst du erklären, aus welchen Anleihen der Referenzindex dieses ETFs besteht, was für eine Rendite (YTM, hier auch Endfälligkeitsrendite genannt) dieses Portfolio aktuell aufweist und wieso du genau diesen ETF für eine gute Wahl hältst?
(Lesetipp: Die Foren-Suchfunktion verweist auf diesen Beitrag.)


Beitrag anzeigenbondholder, 18. November 2014 - 18:22:

Der DB X-TRACKERS II IBOXX EUR GERMANY COVERED DBX0AX hat, laut db x-trackers Website, eine Endfälligkeitsrendite von 1,02%. Abzüglich 0,15% TER kommst du auf eine Rendite von 0,87%. Dafür gehst du ein Kursrisiko ein, wenn die Zinsen wieder steigen. Ebenso zahlst du Spread von aktuell 0,2% + Gebühren für den Kauf bzw. Verkauf der Anteil. Damit landest du bei den Beträgen sofort im negativen Bereich. Statt dein Geld zu vernichten, kann ich dir ein paar Einrichtungen nennen, die sich mehr darüber freuen.
Also wirf den raus und spare ganz normal auf einem Tagesgeldkonto. Dafür gibt es aktuell 1,3% bei täglicher Verfügbarkeit (z.B. Rabo Direct).



Beitrag anzeigenIRRer-Zins, 05. September 2014 - 15:52:

Bei der Bulletstrategie investiert man den ganzen Betrag in ein Portfolio bestehend aus Positionen mit mittlerer Duration.
Bei der Hantelstrategie teilt man seine Investition in Kurz- und Langläufer, also kleine und große Duration auf.
Mit der Gewichtung kann man die Duration einstellen. Gesamtduration = Summe aus [Anteile multipliziert mit der jeweiligen Duration]
Die Vorteile der Hantelstrategie kommen vor allem bei gewölbten Zinsstrukturkurven zum Tragen.
Man erzielt zwar eine geringere Rendite als die Bulletstrategie, ist aber sicherer gegen Zinsschwankungen.
Dazu muss man jedoch die Konvexität betrachten, da man, mit 50:50 Gewichtung der Hantel, theoretisch mit beiden Strategien die gleiche Duration erreicht und somit unter Betrachtung der Duration das gleiche Risiko hätte.
Allerdings gibt es nichts umsonst. Die Kosten der Hantelstrategie sind höher und sind abhängig von der Krümmung der Zinsstrukturkurve.

Für die hier besprochene TG-Anleihenstrategie sollte man sich erst einmal mit dem Gesamtportfolio beschäftigen und sich für ein Modell der Risikosteuerung entscheiden. Was ist die Aufgabe in meinem Portfolio, die mit der Konstruktion abgedeckt werden soll? Welche Duration ist am besten für diese Aufgabe geeignet?
Für die Tagesgeld-Anleihen-Aufteilung würde das bedeuten, dass man tendenziell Anleihen mit hoher Duration suchen sollte oder die Gewichtung stärker auf die Anleihen verlagern sollte, wenn man eine mittlere Duration anstrebt.
Ansonsten besitzt man eine recht niedrige Duration, da Tagesgeld ja schon eine Duration von praktisch 0 besitzt, da es den Geldmarktprodukten sehr nahe kommt.


Beitrag anzeigenLicuala, 01. Dezember 2015 - 19:41:

DM:

Der Citigroup Group-of-Seven (G7) Index bietet Zugang zu Staatsanleihen der sieben führenden Industrienationen: USA, Japan, Italien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Kanada. Die Hauptanteile im Index liegen bei USA mit ca. 35 Prozent und bei Japan mit ca. 25 Prozent. Der Index enthält ausschließlich Staatsanleihen mit Investment Grade und einer Restlaufzeit von mindestens einem Jahr:

iShares Global Government Bond UCITS ETF (DE000A0RM439) TER 0,20 % (unhedged - physisch - ausschüttend - Domizil Irland)

Breiter gefächert ist der Deutsche Bank Global Investment Grade Government Index, der den Großteil des weltweiten Marktes für Staatsanleihen aus 20 Industrieländern abbildet - Schwerpunkte sind auch hier die USA und Japan mit insgesamt ca. 60 Prozent Gewichtungsanteilen. Vom Index abgebildete Anleihen werden in der Landeswährung der jeweiligen Regierung begeben:

db x-trackers II Global Sovereign UCITS ETF 1C (EUR hedged) (LU0378818131) TER 0,25 % (hedged - synthetisch - thesaurierend)
db x-trackers II Global Sovereign UCITS ETF 1D (EUR hedged) (LU0690964092) TER 0,25 % (hedged - synthetisch - ausschüttend)
db x-trackers II Global Sovereign UCITS ETF 5C (LU0908508731) TER 0,25 % (unhedged - synthetisch - thesaurierend)

Der Barclays Global Government AAA-AA Capped Bond Index bietet Zugang zu Staatsanleihen in lokaler Währung, die von entwickelten Volkswirtschaften weltweit ausgegeben werden - die Hauptanteile des Portfolios bilden die USA und Deutschland mit jeweils ca. 20 Prozent, desweiteren Frankreich, Großbritannien und Japan mit jeweils ca. 10 Prozent. Die Anleihen haben ein Kredit-Rating der führenden Rating-Agenturen von mindestens Aa3 (Moody’s), AA- (Standard & Poor’s) und/oder AA- (Fitch):

iShares Global AAA-AA Government Bond UCITS ETF (DE000A1J7CM0) TER 0,20 % (unhedged - physisch - ausschüttend - Domizil Irland)

EM:

Staatsanleihen aus den Schwellenländern werden in verschiedenen Währungen denominiert (hauptsächlich USD und Lokalwährungen). Neben dem Zinsrisiko existierte in der Vergangenheit eine hohe Korrelation mit den Aktienmärkten:

Lyxor UCITS ETF iBoxx USD Liquid Emerging Markets Sovereigns (FR0010967323) TER 0,30 % (unhedged - synthetisch - ausschüttend)
SPDR BofA Merrill Lynch 0-5 Year EM USD Government Bond UCITS ETF (IE00BP46NG52) TER 0,42% (unhedged - physisch - ausschüttend)
iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond UCITS ETF (DE000A0RFFT0) TER 0,45 % (unhedged - physisch - ausschüttend - Domizil Irland)
iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond EUR Hedged UCITS ETF (DE000A1W0PN8) TER 0,50 % (hedged - physisch - ausschüttend - Domizil Irland)
db x-trackers II Emerging Markets Liquid Eurobond UCITS ETF 1C (EUR hedged) (LU0321462953) TER 0,55 % (hedged - synthetisch - thesaurierend)

iShares Emerging Market Local Government Bond UCITS ETF (DE000A1JB4Q0) TER 0,50 % (Lokalwährungen unhedged - physisch - ausschüttend - Domizil Irland)
SPDR Barclays Emerging Markets Local Bond UCITS ETF (IE00B4613386) TER 0,55 % (Lokalwährungen unhedged - physisch - ausschüttend)
Lyxor Emerging Markets Local Currency Bond (DR) - UCITS ETF D-EUR (LU0908501645) TER 0,55 % (Lokalwährungen unhedged - physisch - ausschüttend)

Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 29. November 2016 - 11:20

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#3 Mitglied ist offline   Chemstudent 

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Geschrieben 11. Mai 2014 - 14:34

Weitergehende Informationen:

Angehängte Datei  ETF-Handbuch Börse Frankfurt.pdf (463,07K)
Anzahl der Downloads: 2821

Morningstar: Wie bilden ETFs den Index nach?

Angehängte Grafik: Übersicht ETFs.png

Quelle: Angehängte Datei  Unterschiede_und_Gemeinsamkeiten_boersennotierter_passiver_Investmentprodukte.pdf (854,64K)
Anzahl der Downloads: 538

Angehängte Datei  Morningstar ETF Research - Synthetic ETFs Under the Microscope.pdf (204,22K)
Anzahl der Downloads: 598

Angehängte Datei  db X-trackers ETFs under the microscope.pdf (2,55MB)
Anzahl der Downloads: 1125

Angehängte Datei  Securities Lending in Physical ETFs.pdf (641,12K)
Anzahl der Downloads: 217

Dieser Beitrag wurde von Chemstudent bearbeitet: 21. Dezember 2014 - 13:39
Änderungsgrund: Update

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Geschrieben 13. August 2015 - 10:05

Regulierungen, Vorschriften, Gesetze

Um nicht immer wieder suchen zu müssen, lege ich hier eine Liste von Dokumenten an, die Fonds und ETFs betreffen. Juristen reden übrigens von "Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren" (OGAW) bzw. auf Englisch UCITS (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities).

OGAW-Richtlinie Richtlinie 85/611/EWG PDF
Durchführungsrichtlinie Richtlinie 2007/16/EG PDF

Rundschreiben CSSF 13/559 Leitlinien der ESMA betreffend börsengehandelte Indexfonds (ETF) und andere OGAW-Themen PDF
ESMA Leitlinien ESMA/2012/832 zur Sicherheitenverwaltung PDF

BAFin Fragenkatalog zu erwerbbaren Vermögensgegenständen (Eligible Assets)

Gesetz zur Reform der Investmentbesteuerung (Investmentsteuerreformgesetz - InvStRefG) vom Sommer 2016
Finanzministerium zur Reform
ETFs – Steuerlich werden bald alle gleich behandelt!
BDB: Gesetz zur Reform der Investmentbesteuerung: Anwendungsfragen
pwc Das Investmentsteuergesetz - Die Reform in Kürze
Haufe zum Investmentsteuerreformgesetz
Deloitte zum Investmentsteuerreformgesetz

Die Änderungen im InvStRefG können dazu führen, dass in Zukunft das Fondsdomizil wichtiger wird, da bei "guten" Doppelbesteuerungsabkommen (Beispiel Irland-USA) die Emittenten Abgeltungssteuer zumindest teilweise zurückholen und ins Fondsvermögen bringen können. Eine Anrechnung ausländischer Quellensteuer beim Steuerpflichtigen wird hingegen nicht mehr möglich sein. Noch ungeklärt und Gegenstand heftigster Hobbyarbeit ist m. W., ob bzw. dass synthetische ETFs steuerlich gleich behandelt werden, wie Replizierende.


Falls ihr Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen habt: gerne hier. Ich werde diesen Beitrag dann aktualisieren.

Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 12. November 2016 - 18:40

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#5 Mitglied ist online   Ramstein 

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Geschrieben 02. November 2015 - 12:38

Häufige Fehler
In der (sicher vergeblichen) Hoffnung, es in Zukunft nicht immer und immer wieder schreiben zu müssen:


Verluste über kurze Zeiträume hinweg sind ok

xxxxx schrieb:

Folgende Depotzusammensetzung im Bereich Aktien habe ich mir überlegt:
World 50%
Europa 20%
Emerging Markets 30%

Der Sichere Teil des Kapitals liegt flexibel bei der DKB und wird dort mit 0,7% verzinst.

ETFs können auch 50% Wert verlieren.
  • Was "kurze Zeiträume" für dich sind, weiss hier keiner.
  • Die 0,7% Zinsen aus dem DKB-Geld müssen also die möglichen 50% Verlust der ETFs nach dem "kurzen Zeitraum" ausgleichen.
  • Da kannst du selber ausrechnen, wie du dein Geld aufteilen musst.
  • Oder du hast deine Aussage gemacht, ohne gründlich nachzudenken, was sie bedeutet.


ETFs auf den STOXX Europe 600 enthalten Large- Mid- und Small-CAPS
Der STOXX 600 enthält die 600 größten Unternehmen und natürlich gibt es in diesen 600 Unternehmen wieder die Allergrößten, die Mittelgroßen und die die nicht ganz so Großen. Das entspricht aber nicht der MSCI-Klassifizierung Large/Mid/Small.

Der STOXX Europe 600 Real Estate NR UCITS ETF dient zur Diversifizierung in eine Immobilienanlage
Das sind die Immobilien-Aktiengesellschaften(!) aus dem STOXX 600 und keine Diversifizierung, sondern eine Sektorübergewichtung. Falls man Immobilien will, sollte man REITS und/oder Immo-Fonds nehmen.

Thesaurierende ETFs sind besser für den Vermögensaufbau
Mit Thesaurierern verschiebt man die Besteuerung in die Zukunft. Statt jährlich Steuern abzuführen, kann das Vermögen unversteuert anwachsen. So weit, so richtig. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Man hat jedes Jahr einen Steuerfreibetrag für Kapitalerträge von 801 Euro. Den sollte man ausnutzen, denn der wird nicht vorgetragen, sondern nicht ausgenutzte Freibeträge verfallen.

Also sollte man entweder sehen, dass man über Ausschüttungen die 801 Euro ausnutzt (Zinsen, ausschüttende ETFs), oder man sollte durch Verkauf Gewinne in dieser Höhe realisieren. Man kann ja gleich wieder kaufen. Die Gebühren sind auf alle Fälle niedriger, als 25% Kapitalertragssteuer.

Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 09. September 2016 - 08:13

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#6 Mitglied ist online   Ramstein 

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Geschrieben 20. Juli 2016 - 09:40

Aktienquote 100 - Lebensalter?

Eine Entscheidung, die man treffen muss, ist die Aktienquote im Verhältnis zur "sicheren" Anlage. Der sicher Teil liefert zurzeit bestenfalls einen Inflationsausgleich.

Zur Aufteilung gibt es beliebte Faustregeln:
  • Aktienquote = 100 - Lebensalter, oder
  • Aktienquote = 110 - Lebensalter, oder
  • Aktienquote = 120 - Lebensalter, oder
  • Anleihequote = Lebensalter,
die m. E. größtenteils in die Fabelwelt der Finnazfolklore gehören.

Die oft gehörte Begründung, dass so "das Risiko gesenkt wird" ist natürlich nur die eine Seite der Medaille, denn in gleichem Maße reduziert man auch die Aussicht auf Gewinne.

Unter Renditegesichtspunkten sollte man sein Geld so investieren, dass für die beabsichtigte Anlagedauer die erwartete Rendite maximiert wird. Wenn man also mit stagnierenden oder sinkenden Aktienkursen rechnet, sollte man keine Aktien kaufen. Wenn man aber (aufbauend auf der Erfahrungswerten der Vergangenheit und den Prognosen für die Zukunft) mit steigenden Aktienkursen rechnet, sollte man möglichst viel von diesem Anstieg mitnehmen. Googlesuche: Renditedreieck!

Natürlich werden jetzt nicht gleich alle Leser auf 100% Aktienquote gehen, und das will ich auch nicht anregen. Was ich anregen möchte, ist die selbständige Beschäftigung mit dieser Frage und darauf folgend die eigene fundierte Entscheidung.

Ich gebe hier als Gegenpol zur im Forum "herrschenden Lehre" einige lesenswerte Links:


Wer trotzdem auf Tages- und Festgeld vertrauen will, sollte folgenden Artikel lesen:
Der Kaiser ist nackt – ein Blick auf die Einlagensicherungen in Europa


PS: Leider sind mit keine deutschen Texte zu diesem Thema gegenwärtig. Für PNs mit Link wäre ich also dankbar.


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Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 28. August 2016 - 09:04

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Geschrieben 11. August 2016 - 10:16

Ramsteins unmaßgebliche ETF Liste - ETF-Auswahl für Faule

Es gibt hier im Forum sehr viel sehr gute Information zu ETF-Depots. Aber die Informationsmenge kann den Neuling, der nur einige Euro anlegen will, leicht überfordern.

Daher möchte ich hier einige ETF-Anregungen geben, die eine Mischung verschiedener Emittenten und Eigenschaften haben:

  • SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF IE00B3YLTY66: ca. 9000 Wertpapiere aus den Segmenten Large Caps, Mid Caps und Small Caps aus etwa 45 Länderindizes; thesaurierend, optimiertes sampling, steuerhässlich (ab 2018 wohl nicht mehr)

  • Lyxor UCITS ETF MSCI All Country World FR0011079466: steuersauber, thesaurierend, swap
  • HSBC MSCI World UCITS ETF DE000A1C9KL8: steuersauber, ausschüttend, phys. optimiert

  • HSBC S&P 500 ETF (DE): steuersauber, halbjährlich ausschüttend, replizierend
  • iShares STOXX Europe 600 (DE) DE0002635307: steuersauber, quartalsweise ausschüttend, replizierend
  • Comstage MSCI Emerging Markets LU0635178014: steuersauber, thesaurierend, swap
  • UBS MSCI Emerging Markets UCITS ETF LU0480132876: steuersauber halbjährlich ausschüttend, replizierend
  • Comstage ETF MSCI PACIFIC TRN LU0392495023: steuersauber, thesaurierend, swap

  • Tagesgeld statt Kurzläufer-Renten-ETF

  • für ganz Faule: db x-trackers Portfolio Total Return ETF LU0397221945, Mischung aus Aktien+Anleihen, steuersauber, thesaurierend, swap

Ob die o.g. Angaben heute noch korrekt sind, sollte man beim Emittenten überprüfen und auch bei Steuerstatus und Trackingdifferenzen von Aktien-ETFs auf Standardindizes (insbesondere Tabellen 12 bis 14) ansehen.

PS: Bis auf weiteres kann man fast alle maßgeblichen ETFs ab 500 Euro kostenlos bei der DiBa kaufen.


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Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 01. November 2016 - 11:44

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Geschrieben 11. Oktober 2016 - 17:41

BIP und Marktkapitalisierung: was ist der "richtige Mix"

Eine einfache Frage, auf die es keine "richtige" Antwort gibt. BIP und Marktkapitalisierung sind verschiedene Parameter. Falls jemand belastbare Statistiken hat, was in der Vergangenheit "besser" war: her mit der Info. Das sagt natürlich immer noch nichts für die Zukunft voraus. Natürlich kann man sich die Informationen in diesem Faden anschauen und versuchen, daraus seine Schlüsse zu ziehen.
Nachtrag: Bei Jacobs/Müller/Weber auf Seite 44 sieht es so aus, als ob in der Vergangenheit ein BIP-Depot besser lief, als eines nach Marktkapitalisierung; Dank an @grapple für den Link.

Hier einfach mal die Daten (Dank an Leonhard_E):

Angehängte Grafik: Bildschirmfoto 2016-10-11 um 12.20.07.png
In der reinen Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist Nordamerika mit USA und ein bisschen Kanada sehr stark gewichtet, weil dort eben sehr viele Unternehmen börsennotiert sind.

Bei MSCI gibt es für die Vergangenheit auch den Vergleich Marktkapitalisierung/BIP-Gewichtung (Dank an xfklu):
https://www.msci.com...cb-8bd6b2eb988c (ohne Schwellenländer)
https://www.msci.com...c2-7d840a7a9186 (mit Schwellenländer)
https://www.msci.com...96-48267d0ada8e (nur Schwellenländer)


Für mein eigenes ETF-Weltdepot habe ich mich mehr in Richtung BIP orientiert und dafür die Daten des Arero genutzt. Da sieht man auch die Entwicklung über die letzten Jahre.

Angehängte Grafik: Bildschirmfoto 2016-10-14 um 08.05.29.png

Da habe ich dann noch 4% Frontier Markets und 10% Small Caps reingerührt, was zu folgender Verteilung führt:

Angehängte Grafik: Bildschirmfoto 2016-10-14 um 08.05.57.png

Ob es aber richtig ist, die Emerging Markets stärker zu gewichten als Nordamerika, sei dahingestellt. Ich mache das noch nicht so, sondern nehme momentan 24/26/8/28/4/10, bzw. wenn ich meine Einzelaktien mitrechne 29/29/7/24/4/8.

Eine weitere Alternative ist weder Marktkapitalisierung noch BIP zu betrachten, sondern wo die Firmen ihren Umsatz machen. Informationen zur Emerging Markets Economic Exposure findet man hier.

Wie viele verschiedene Vorstellungen es zum Weltportfolio gibt, wird auch sehr schön in dieser Zusammenstellung deutlich: Der große Guide zum Weltportfolio.



Wie immer: Kommentare und Diskussionen bitte in diesem Faden!

Dieser Beitrag wurde von Ramstein bearbeitet: 29. November 2016 - 18:10

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