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Die Mischung macht's

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Grundsätzliche Hinweise zu Geldanlagen und zur Altersvorsorge

 

Bei der Strukturierung der eigenen Vorsorge gilt es, Prioritäten zu setzen:

  • Investitionen in Aus- und Weiterbildung vornehmen
  • Existenzbedrohende Risiken durch geeignete Versicherungsprodukte absichern (Risikovorsorge als Fundament für die Altersvorsorge)
    Ermitteln Sie Ihren individuellen Versicherungsbedarf
    Versicherungen im Überblick
    Berufsunfähigkeitsversicherung - Tipps und Tricks
    WPF Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Eine ausreichend große Tagesgeldreserve für den kurzfristig erhöhten Finanzbedarf hinterlegen
  • Bestehende Schulden im Vorfeld tilgen
  • Überlegen, welche Ziele man mit Geldanlagen verfolgt (Festlegung der Anlagehorizonte und des Risikoprofils)
  • Die Altersvorsorge möglichst getrennt von der Risikovorsorge vornehmen (höhere Flexibilität)
  • Klären, ob geförderte Altersvorsorgeprodukte und private Rentenversicherungen für die eigene Situation sinnvoll sind (individuelle Einzelfallprüfung hinsichtlich Laufzeiten und steuerlichen Gesichtspunkten)
  • Die Gebühren und Nebenkosten minimieren (durch geeignete Anlageprodukte und nachfolgend geeignete Verwahrstellen sowie durch Vermeidung von Transaktionskosten)
  • Das Vermögen diversifizieren
  • Das Risiko minimieren bzw. managen (wobei ein geringeres Risiko immer eine geringere Rendite bedeutet)
  • Kreditfinanzierte Geldanlagen vermeiden
  • Vorsicht beim Umgang mit Vergangenheitsdaten walten lassen
  • Sich bewusst sein, dass Kapitalmarktprognosen wertlos sind und Market Timing nicht funktioniert
  • Nicht erwarten, den Markt zu schlagen
  • Stets eine innere Distanz bewahren

 

Die 3 Säulen der Altersvorsorge

 

Die Bundesrepublik Deutschland steht in den nächsten Jahrzehnten allen Prognosen nach vor einem fortschreitenden demographischen Wandel. Niedrige Geburtenzahlen und die weiter steigende Lebenserwartung führen zu einer starken Alterung und schließlich zu einem Rückgang der Bevölkerung. Diese Entwicklung ist jedoch nicht auf Deutschland beschränkt, sondern zeigt sich in ähnlicher Form in allen entwickelten Industrieländern. Die wesentlichen Auswirkungen wird die Gesellschaft in etwa ab 2030 zu verkraften haben. Diese demographischen Umwälzungen werden sich auch im Bereich der Altersversorgung auswirken. So wird sich das Vorsorgeverhalten erheblich ändern, wobei die Richtung dieser Veränderungen im Wesentlichen von den flankierenden Maßnahmen des Gesetzgebers abhängen wird.

 

MMGPI2016-Report.pdf

Altersvorsorgereport_2014_Final.pdf

 

Bildlich gesprochen ruht die Altersversorgung in Deutschland auf 3 Säulen:

 

Die erste Säule umfasst vor allem die gesetzliche Rentenversicherung und dient als Basisversorgung. Sie ist das Pflichtsystem für die größte Gruppe von Erwerbstätigen in unserer Gesellschaft, für die Arbeiter und Angestellten, sowie für einige weitere Personengruppen (Beamten- und Soldatenversorgung, Alterssicherung der Landwirte, Berufsständische Versorgungswerke). Mit der ersten Beitragszahlung sind in der gesetzlichen Rentenversicherung die biometrischen Risiken Erwerbsminderung, Alter und Tod in der Regel versichert. Das heißt, der Leistungskatalog steht dem Versicherten, gegebenenfalls nach Erfüllung weiterer persönlicher und versicherungsrechtlicher Voraussetzungen, sofort zur Verfügung. Dieser Leistungskatalog wird gesichert durch den Generationenvertrag. Die Finanzierung erfolgt nach dem Umlageverfahren.

 

Seit dem 01.01.2005 können die Beiträge des Arbeitnehmers zur gesetzlichen Rentenversicherung und andere Pflichtsystembeiträge als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Der Sonderausgabenabzug wirkt sich im Jahr 2017 mit 84 Prozent der Aufwendungen aus. In den Folgejahren wird die Höhe des Sonderausgabenabzugs stufenweise um 2 Prozent erhöht, sodass die Beiträge ab 2025 bis zu einem Höchstbetrag von derzeit 23.362 Euro (2017) jährlich komplett steuerfrei sind. Der Höchtsbetrag errechnet sich aus dem jeweils geltenden Beitragssatz (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) sowie der Beitragsbemessungsgrenze in der knappschaftlichen Rentenversicherung in Westdeutschland.

 

Innerhalb der zweiten Säule unterscheidet man zwischen der betrieblichen Altersversorgung in der Privatwirtschaft und der Zusatzversorgung der Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Dienstes (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder).

Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, haben einen Rechtsanspruch auf Umwandlung von Gehaltsteilen in eine staatlich geförderte betriebliche Altersversorgung (sogenannte Entgeltumwandlung). Der Anspruch besteht bis zu einer Höhe von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) in der Deutschen Rentenversicherung (2017 sind dies bis zu 3.048 Euro jährlich).

Darüber hinaus können Arbeitnehmer bei Verträgen, die seit dem 1. Januar 2005 abgeschlossenen wurden, weitere 1.800 Euro jährlich steuerfrei umwandeln. Der steuerlich geförderte Höchstbeitrag steigt dadurch 2017 auf 4.848 Euro. Allerdings sind diese zusätzlichen 1.800 Euro sozialversicherungspflichtig.

Die Grenze für die Steuerbefreiung von Beiträgen an Pensionsfonds, Pensionskassen und Direktversicherungen wird ab 2018 auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) in der Deutschen Rentenversicherung angehoben (§ 3 Nr. 63 EStG).

Die Entgeltumwandlung lässt im Gegenzug die Auszahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung schrumpfen und geht mit einer Minderung von Sozialversicherungsleistungen im Leistungsfall einher (Krankengeld, Übergangsgeld, Arbeitslosengeld, Elterngeld, Erwerbsunfähigkeitsrente).

 

Im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung unterscheidet man zwischen 5 möglichen Durchführungswegen: Direktzusage, Unterstützungskassen, Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung wird die betriebliche Altersvorsorge vorwiegend im Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Das bedeutet, dass die eingehenden Beitragszahlungen zum Aufbau eines Kapitalstocks (sogenanntes Deckungskapital) genutzt werden. Aus dem Kapitalstock wird für den Anleger die im Alter zu zahlende Rente finanziert - in einigen Konstellationen besteht bei Rentenbeginn ein Kapitalwahlrecht unterschiedlich hoher Ausprägung für das angesparte Kapital.

Kennzeichen der betrieblichen Altersversorgung ist die Vertragsgestaltung über den Arbeitgeber. Dieser bestimmt grundsätzlich über Art und Umfang der betrieblichen Altersversorgung.

 

Betriebliche Altersversorgung - Die zweite Säule der Altersvorsorge

 

Zur dritten Säule der Altersvorsorge werden alle Formen der privaten Vermögensbildung gezählt, die der Vorsorge für das Alter dienen können. Dies können der Abschluss privater Lebens- und Rentenversicherungen, Fondssparpläne oder der Abschluss einer staatlich geförderten Riester-Rente sein. Die Finanzierungen erfolgen im Kapitaldeckungsverfahren. Bei allen Formen der privaten Altersvorsorge besteht ein Kapitalwahlrecht. Im Falle der durch Zulagen geförderten Riester-Rente können bei Rentenbeginn bis zu 30 Prozent des Kapitals zulagenunschädlich ausgezahlt werden.

 

Um die vollen Riester-Zulagen zu erhalten, müssen jährlich mindestens vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens (abzüglich des Zulagenanspruchs) eingezahlt werden. Der Mindestsockelbeitrag beträgt 60 Euro jährlich - es werden höchstens 2.100 Euro jährlich (inkl. der Zulagen) gefördert. Bei Ehepaaren kann sich der maximal geförderte Beitrag auf 4.200 Euro jährlich erhöhen, wenn beide Ehepartner in einen Riester-Vertrag einzahlen. Die Höhe der Eigenbeiträge ist innerhalb dieser geförderten Spanne frei wählbar.

 

Die Beiträge zur Riester-Rente können in der Steuererklärung als Sonderausgabe bis zum maximalen Förderbetrag geltend gemacht werden. Zu einer Steuererstattung durch Günstigerprüfung kommt es allerdings nur dann, wenn die Steuerersparnis größer ist als die gewährten Zulagen (man erhält den Anteil des Steuervorteils, der nach Abzug aller Zulagen übrig bleibt).

 

Im Falle einer vorzeitigen Auflösung des Riester-Vertrages müssen alle erhaltenen Förderungen zurückgezahlt werden - das gilt sowohl für Zulagen als auch für Steuervorteile. Zusätzlich müssen die erwirtschafteten Zinsen nachträglich versteuert werden. Es gibt jedoch Ausnahmen: bei der Eigenheimrente ist die vollständige oder teilweise Entnahme des Riester-Guthabens für einen Immobilienkauf oder für die Tilgung eines bestehenden Immobiliendarlehens nicht förderschädlich.

 

Riester-Rente - Tipps und Tricks

Kostenvergleich - Klassische Riester-Rentenversicherung und Fondsgebundene Riester-Rentenversicherung

Tarifaktualisierung 2014 / Kostenvergleich - Klassische Riester-Rentenversicherung und Fondsgebundene Riester-Rentenversicherung

Altvertrag vs. Neuvertrag / Vor- und Nachteile aus "Alt" mach "Neu" / Private Rentenversicherung, Lebensversicherung, Riester-Rentenversicherung

Die beste flexible Altersvorsorge

 

Unter private Altersvorsorgeaufwendungen fallen seit dem 01.01.2005 auch die nach diesem Zeitpunkt abgeschlossenen neu entwickelten kapitalgedeckten privaten Leibrentenversicherungen (Basis- oder Rüruprenten). Beiträge zugunsten einer privaten Leibrentenversicherung sind steuerlich begünstigt, wenn die Versicherung nur die Zahlung einer monatlichen auf das Leben des Steuerpflichtigen bezogenen lebenslangen Leibrente vorsieht und die Leistungen nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres des Berechtigten erbracht werden. Hierdurch wird sichergestellt, dass es sich um Vorsorgeprodukte handelt, bei denen eine tatsächliche Verwendung für die Altersversorgung gesichert ist. Aus diesem Grund dürfen die Versorgungsanwartschaften nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sein.

 

Private Leibrentenversicherungen können mit einer Zusatzversicherung (Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung, Hinterbliebenensicherung) ergänzt werden. Die Beiträge können bis zu einem jährlich angepassten Höchstbetrag als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden (unter Abzug bereits geleisteter Pflichtsystembeiträge). 2017 können maximal 23.362 Euro Beiträge für eine Basisrente von der Steuer abgesetzt werden (wobei sich der Sonderausgabenabzug 2017 mit 84 Prozent der Aufwendungen auswirkt).

 

Rürup-Rente - Tipps und Tricks

 

Besteuerung von Rentenleistungen

 

Die Änderungen durch das Alterseinkünftegesetz eröffnen Vorsorgesparern steuerliche Vorteile, je nachdem, für welche Art der Vorsorge sie sich entscheiden. Das Alterseinkünftegesetz schließt sich den Überlegungen der Sachverständigenkommission zur Neuordnung der steuerrechtlichen Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen an, die in ihrem Bericht ein sogenanntes 3-Schichten-Modell entwickelt haben:

 

Basisversorgung

 

Basisrenten, Leistungen aus den gesetzlichen Rentenversicherungen, der landwirtschaftlichen Alterskasse und den berufsständischen Versorgungseinrichtungen werden in der Auszahlungsphase oberhalb des jährlichen Grundfreibetrags (8.820 Euro in 2017) mit dem persönlichen Steuersatz nachgelagert besteuert. In der Regel liegt der Steuersatz im Rentenalter unter dem Steuersatz während des Erwerbslebens. Dadurch kann sich ein realer Fördereffekt ergeben, weil Förderungen und Zinsen auf Förderungen in der Ansparphase nur anteilig durch den jeweils gültigen Steuersatz zurückgezahlt werden müssen.

Die Besteuerung der Rentenleistungen steigt seit 2005 schrittweise an (Besteuerung nach dem Kohortenprinzip) - wieviel im Rentenalter zu versteuern ist, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab (ab 2040 sind Rentenleistungen zu 100 Prozent zu versteuern).

 

Kapitalgedeckte Zusatzversorgung

 

Auch die Rentenbezüge aus Riester-Renten und aus betrieblicher Altersvorsorge sind (soweit sie auf geförderten Beiträgen und darin enthaltenen Erträgen und Wertsteigerungen beruhen) in der Auszahlungsphase im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung nach dem Kohortenprinzip zum dann gültigen persönlichen Steuersatz steuerpflichtig (nach § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG).

 

Auf Rentenbezüge aus betrieblicher Altersvorsorge müssen zudem Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (GKV/GPV) in voller Höhe (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) entrichtet werden - diese Pflicht zur Zahlung von Sozialbeiträgen ist nach dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) 2004 beschlossen worden und gilt auch für alle Direktversicherungen, die vorher abgeschlossen wurden. Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen neben einer Rente der gesetzlichen Rentenversicherung werden erst dann in voller Höhe zur Beitragsberechnung herangezogen, wenn die Grenze von 148,75 Euro (2017) monatlich überschritten wird. Die gesetzliche Grundlage bildet der § 226 Abs. 2 SGB V mit dem Zwanzigstel der monatlichen Bezugsgröße (gemäß § 18 SGB IV).

Diese Regelung gilt auch bei Kapitalzahlungen aus einer betrieblichen Altersvorsorgeversicherung. Die ausgezahlte Leistung wird auf 120 Monate verteilt - als Folge wird 1/120 als Monatsrente unterstellt. Falls nun der auf einen Monat umgelegte Anteil den Grenzwert von 148,75 Euro (2017) überschreitet, sind Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung (14,6 Prozent GKV (zzgl. Zusatzbeitrag) und 2,55 Prozent GPV (2,80 Prozent für Kinderlose)) zu entrichten (weitere Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen in dem Kalenderjahr vermindern den Grenzwert entsprechend).

 

Übrige Zusatzversorgung

 

Bei Rentenzahlungen, die auf nicht geförderten Beiträgen und darin enthaltenen Erträgen und Wertsteigerungen beruhen, erfolgt eine Besteuerung nach dem Ertragsanteil (nach § 22 Nr. 1 Satz 3 lit. a lit. bb EStG) - so bei Rentenbezügen aus privaten Rentenversicherungen sowie bei Berufsunfähigkeits-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten. Die Höhe des Ertragsanteils einer Rente (in den Rentenzahlungen enthaltener Zins) wird mithilfe eines Prozentsatzes pauschaliert ermittelt. Dabei sind die Unterscheidung nach lebenslangen Rentenbezügen und nach abgekürzten Rentenbezügen sowie das Alter zu Beginn der lebenslangen Rente oder die Laufzeit der abgekürzten Rente von Bedeutung.

 

Die Besteuerung ungeförderter Leibrenten mit dem pauschalierten Ertragsanteil führt angesichts gesunkener Zinsen dazu, dass mittlerweile über die Erträge hinaus auch das Vertragsvermögen besteuert wird. Dieses Vermögen wird in der Regel aus dem Einkommen angespart, das bereits über die Einkommensteuer erfasst wurde. Als Endergebnis wird mit dem jetzigen Steuersystem beim durchschnittlich langlebigen Rentner ein Ertrag besteuert, der gar nicht erwirtschaftet wurde - es erfolgt also eine Doppelbesteuerung.

 

§ 10 EStG

§ 22 EStG

 

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Kapitalbildende Lebensversicherungen und Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht

 

Kapitalbildende Lebensversicherungen, die biometrische Risiken absichern (Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht (soweit nicht die Rentenzahlung gewählt wird), Kapitalversicherungen mit Sparanteil, Unfallversicherungen mit garantierter Beitragsrückzahlung), werden nach § 20 Absatz 1 Nr. 6 EStG besteuert.

 

Bei Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträgen mit Kapitalwahlrecht, die bis zum 31.12.2004 abgeschlossen wurden (Versicherungsschein ausgestellt) und für die mindestens ein Beitrag vor dem 01.04.2005 eingezahlt wurde, ist die Einmalkapitalauszahlung am Laufzeitende unter den Voraussetzungen des § 20 Absatz 1 Nr. 6 EStG 2004 einkommensteuerfrei (BMF-Schreiben vom 22.12.2005, BStBl. 2006 I S. 92):

  • Vertragsdauer mindestens 12 Jahre (auch bei Rückkauf)
  • laufende Beitragseinzahlungen (mindestens für fünf Jahre)
  • Todesfallschutz beträgt mindestens 60 % der Beitragssumme (nicht bei Rentenversicherungen)
  • Police wurde nicht steuerschädlich zur Absicherung eines Darlehens eingesetzt (§ 10 Abs. 2 Satz 2 EStG 2004)

 

Für Neuverträge ab 2005 ist im Jahr der Auszahlung die Differenz zwischen der Versicherungsleistung bei Vertragsablauf bzw. dem Rückkaufswert bei vorzeitiger Kündigung und den eingezahlten Versicherungsbeiträgen als positiver Kapitalertrag mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern bzw. als negativer Kapitalertrag mit anderen positiven Kapitalerträgen zu verrechnen (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 1 EStG). Das gilt auch für den Rückkauf einer fondsgebundenen Rentenversicherung gegen Einmalbetrag (LfSt Bayern vom 17.06.2008, DStR 2008 S. 2110).

Der Differenzbetrag ist nur zur Hälfte steuerpflichtig, wenn die Versicherungsleistung erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres (bei Vertragsabschluss ab 01.01.2012: 62. Lebensjahr) des Versicherungsnehmers ausbezahlt wird und die Vertragslaufzeit mindestens 12 Jahre beträgt (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG). Wird die Versicherungsleistung im Todesfall ausgezahlt, bleibt sie steuerfrei.

 

§ 20 EStG

 

Eigenständige private Altersvorsorge im Rahmen der dritten Säule

 

Bei der eigenständigen und ungeförderten Privatvorsorge wird der Vermögensaufbau mit Hilfe von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilien und/oder Bankeinlagen gestaltet - entweder als Direktanlage oder in Form von entsprechenden Investmentfonds. Dabei entstehende Kapitalerträge (z. B. Zinsen, Dividenden, Erträge aus Wertpapiergeschäften und aus Investmentfonds) unterliegen nach § 43 EStG der Kapitalertragsteuer.

Der Kapitalertragsteuersatz beträgt derzeit 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag (5,5 % der Kapitalertragsteuer) und gegebenenfalls zzgl. Kirchensteuer (8 % oder 9 % der Kapitalertragsteuer). Der dabei gültige Sparerpauschbetrag liegt bei 801 € jährlich (1.602 € bei steuerlich zusammenveranlagten Ehegatten) (§ 44a Abs. 1 Nr. 1 EStG i.V.m. § 20 Abs. 9 EStG).

 

Bei dieser Form der Altersvorsorge werden Portfolios aus verschiedenen Assets (Anlageklassen) aufgebaut - dem Aufbau eines Portfolios sollte eine umfangreiche Analyse vorausgehen. Ein Portfolio ist somit Teil einer Strategie, die Risiken finanzieller Investitionen durch Streuung zu senken. Unter Portfoliomanagement versteht man die Zusammenstellung und Verwaltung eines Portfolios (im Sinne eigener Anlagekriterien).

 

Die Gewichtungen der einzelnen Anlagenklassen im Portfolio (Asset Allocation) werden je nach Lebenssituation, Anlagehorizont und der eigenen Risikobereitschaft individuell variiert ("Magisches Dreieck"). Das magische Dreieck der Vermögensanlage wird durch drei Kriterien geprägt: Sicherheit, Liquidität und Rentabilität.

 

Die Sicherheit steht für den Erhalt des eingesetzten Kapitals, die Liquidität für seine schnelle Verfügbarkeit und die Rentabilität ergibt sich aus dem Ertrag der Kapitalanlage. Sicherheit, Liquidität und Rentabilität stehen in einem Spannungsverhältnis und sind in der Regel nicht uneingeschränkt miteinander vereinbar. Jeder Anleger sollte sich also innerhalb dieses Spannungsfeldes entsprechend seiner persönlichen Anlageziele Präferenzen setzen.

 

Markowitz, Diversifikation und Korrelationen

 

Das klassische Portfolio nach Markowitz besteht in erster Linie aus Aktien, weil diese langfristig die besten Renditen versprechen (siehe bspw. Renditedreieck vom DAX oder vom MSCI World). Zwecks Diversifizierung und Absenkung des systematischen Risikos werden Anlagen (mit möglichst unterschiedlichen Korrelationseigenschaften) wie Anleihen, Rohstoffe und/oder Immobilien hinzugemischt. Speziell Anleihen wurden in der Vergangenheit zwecks Senkung erwarteter Kursschwankungen zur Diversifikation eingesetzt. Die Diversifizierung oder Vermögensstreuung kann zudem durch verschiedene Branchen, Länder und Währungen erfolgen.

 

Investieren in Aktien und Anleihen.pdf

 

Der Korrelationsbegriff ist von erheblicher Bedeutung bei Kapitalanlagen - das Gesamtrisiko eines Portfolios ist umso geringer, je geringer die einzelnen Anlagen (Assets) miteinander korrelieren. Eine Reduktion der Korrelation des Gesamtportfolios im Verhältnis zu seinen Einzelanlagen verbessert nach dem Markowitz-Modell das Rendite-Risiko-Verhältnis. Diese Gesetzmäßigkeit ergibt sich dadurch, dass die Schwankungen der einzelnen Anlagen in aller Regel nicht vollkommen gleichförmig verlaufen und daher dazu tendieren, einander aufzuheben. Auf langfristiger Basis wird damit prinzipiell eine höhere Rendite bei geringerem Risiko erzielt.

In Extremsituationen können sich gewünschte Korrelationseigenschaften allerdings grundlegend verändern - unter Umständen funktioniert die Diversifikation also gerade dann nicht, wenn sie am dringendsten benötigt wird.

 

Goldman Sachs Korrelationsmatrix

Mythos Korrelation

Minimum Varianz Portfolio nach Markowitz

Ist Diversifikation über Märkte hinweg noch möglich?

Risiko - das unbekannte Wesen

"Sicherer" Anteil des Depots

 

Aktien

 

Eine Aktie ist nach dem deutschen Aktiengesetz (AktG) ein Wertpapier, welches den Anteil an einer Gesellschaft (auch Anteilsschein) verbrieft. Der Käufer von Aktien erwirbt also Anteile am Eigenkapital eines Unternehmens. In Deutschland werden die Gesellschaften, die ihr Grundkapital in Aktien zerlegen und diesen Anteil verbriefen, als Aktiengesellschaft (AG) oder Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) bezeichnet. Bei der Gründung einer Aktiengesellschaft wird festgelegt, in wie viele Aktien das Grundkapital aufgeteilt wird. Die Ausgabe von Aktien bezeichnet man als Emission. Das Unternehmen, das die Aktien ausgibt, wird im Emissionsverfahren auch Emittent genannt. Die Schaffung neuer Aktien ist im weiteren Verlauf auch im Rahmen einer Kapitalerhöhung und bei einem Aktien-Split möglich.

 

Aktien werden an einer Börse gehandelt - der Aktienkurs bewegt sich ständig und wird von Angebot und Nachfrage getrieben. Aktien werden in der Erwartung gekauft, dass stabile oder steigende Dividendenausschüttungen erfolgen, und dass Gewinne und Umsätze der Unternehmen gesteigert werden können und somit die Aktienkurse steigen.

 

Anleihen

 

Verzinsliche Wertpapiere stehen für alle Formen von zinstragenden bzw. -bringenden Wertpapieren (wie z. B. Schuldverschreibungen, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, Rentenpapiere, Obligationen), die in der Regel zur langfristigen Fremdfinanzierung bzw. Kapitalanlage dienen. Käufer von Anleihen gewähren also bspw. Staaten oder Unternehmen Kredite bzw. Fremdkapital. Anleihen beinhalten somit ein Ausfallrisiko - das Ausfall- bzw. Bonitätsrisiko ist jenes Risiko, welches daraus erwächst, dass der Schuldner in Zahlungsverzug kommen kann oder sogar zahlungsunfähig wird. Je schlechter die Bonität, desto höher ist das Ausfallrisiko der Anleihe. Schuldner mit schlechter Bonität müssen daher einen höheren Kupon bzw. eine höhere Verzinsung bieten, um trotz des Ausfallrisikos attraktiv zu bleiben.

 

Im Anleihensektor sind steigende Volatilitäten zu erwarten - die Zentralbanken halten derzeit sowohl Staaten als auch Unternehmen durch eine expansive Geldpolitik in Form von Anleihenkäufen flüssig (einhergehend mit einer ausgeprägten Ausweitung eigener Bilanzsummen). Durch diese "Quantitative Lockerung" in Verbindung mit historisch niedrigen Leitzinsständen bestehen Zinsänderungsrisiken (gekennzeichnet durch die modifizierte Duration und Konvexität) mit entsprechenden Kursverlusten und erhöhten Ausfallquoten.

 

Als Alternative zu entsprechenden Staats- und Unternehmensanleihen mit Investment Grade bieten sich Bankeinlagen für die Portfoliogestaltung an. Tagesgelder und Festgelder sind aufgrund ihrer guten Konditionen (sie dienen den Banken als Marketinginstrument zur Kundengewinnung) die einzigen Marktsegmente, in denen Privatanleger gegenüber institutionellen Anlegern einen signifikanten Vorteil haben. Entsprechende Risiken, die auch bei Bankeinlagen bestehen, sollten dabei Beachtung finden (Einlagensicherung, Zinsspreads zwischen Bankanleihen und den Guthabenzinsen für Bankeinlagen).

 

Rohstoffe

 

Der Handel mit Rohstoffen erfolgt in der Regel über Warenterminkontrakte, sogenannte Futures. Sie beziehen sich auf einen Basiswert (hier: auf einen Rohstoff) und stellen eine Art Vertrag dar - Futures sind also letztlich Lieferverträge für die Zukunft und stellen somit auch eine Wette auf zukünftige Rohstoffpreise dar. Futures werden an entsprechenden Börsen (Terminmärkte) gehandelt. Ihr Kurs richtet sich maßgeblich nach Angebot und Nachfrage.

 

Die Kurse länger laufender Futures notieren aufgrund anfallender Bestandhaltungskosten (Cost of Carry) in aller Regel höher als kürzere Futures - die Futures-Kontrakte werden in solchen Fällen mit "Contango" gehandelt (steigende Forwardkurve). Notieren kürzer laufende Futures hingegen höher als länger laufende, so spricht man von "Backwardation" (sinkende Forwardkurve) - beispielsweise durch eine temporär erhöhte Nachfrage für die sofortige Lieferung eines Rohstoffes. Forwardkurvenverläufe ändern sich täglich, manchmal sogar gravierend binnen weniger Tage.

 

Rohstoffrenditen setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen: aus der Kurs- oder Spotpreisentwicklung (Spot Return), aus Rollerträgen (Roll Return) und aus Zinseinnahmen (Collateral Return).

 

Spotpreisentwicklungen in Verbindung mit den entsprechenden Rollerträgen (durch Umschichtungen in nächstfällige oder länger laufende Futures) ergeben den sogenannten Excess Return eines Rohstoffinvestments. Rechnet man etwaige Zinseinnahmen hinzu, erhält man den Total Return. Die Zinseinnahmen fallen an, weil ein Rohstoffkäufer lediglich einen Bruchteil der Anlagesumme am Terminmarkt benötigt (die sogenannte Margin), um einen Rohstoff zu kaufen. Der Rest wird verzinst als Sicherheit hinterlegt. Die Zinsen orientieren sich an kurzlaufenden Staatsanleihen sehr hoher Bonität. Die hohen Rohstoffrenditen zwischen 1970 und 2000 wurden zu mehr als 50 % durch den Collateral Return bestimmt - durch das gesunkene Zinsniveau wurde der Gesamtbeitrag seit 2000 aber immer geringer und liefert in Anbetracht der heutigen Nullzinsniveaus fast keinen Performance-Beitrag mehr. Als Faustregel gilt also: je höher die kurzfristigen US-Zinsen sind, desto größer fällt die Differenz zwischen Excess Return und Total Return aus - deshalb sollten Total Return-Indizes (sofern sie verfügbar sind) bei Indexinvestments bevorzugt werden.

 

Der Rohstoffmarkt ist, verglichen mit dem Aktien- und Anleihenmarkt, sehr klein - durch die geringe Größe ist der Markt für Übertreibungen anfällig. Durch den "Commodity Futures Modernization Act" (CFMA) im Dezember 2000 haben sowohl die Handelsvolumina als auch die Anzahl offener Positionen ("open interest") sehr stark zugenommen, wodurch im weiteren Verlauf überwiegend negative Rollrenditen (durch einen permanent hohen Contango) und erhöhte Volatilitäten bei den Rohstoffen entstanden. Rohstoffe sind über die Besitztümer der konstituenten Unternehmen in internationalen marktbreiten Aktienfonds enthalten.

 

Rohstoffe - Grundlagen

Rohstoff-ETF für ein Langfristdepot

Lohnen Rohstoff-Future-ETFs?

Warum konventionelle Rohstoff-Indizes sehr wahrscheinlich enttäuschen werden

 

Facts and Fantasies about Commodity Futures by Gary Gorton.pdf

Facts and Fantasies about Commodity Futures Ten Years Later.pdf

Correlation between commodity and equity returns.pdf

 

Immobilien

 

Offene Immobilienfonds galten lange Zeit als vermeintlich risikolose Anlageprodukte, die stets positive Renditen versprachen. Mit der Finanzkrise 2008 setzte eine Welle der Verunsicherung ein: die Bewertungspraxis durch das Ertragswertverfahren stellte sich in vielen Fällen als intransparent heraus, sodass es durch die Neubewertungen der Bestände zu drastischen Abwertungen kam. Zusätzlich wurden die Fondsgesellschaften mit einer Welle von Mittelabflüssen konfrontiert - zahlreiche Fonds setzten deshalb die Anteilsrücknahme aus, einige kündigten sogar ihre endgültige Rückabwicklung an.

 

Real Estate Investment Trusts (REITs) sind transparenter und fairer bewertet als die offenen Immobilienfonds. Bei der täglichen Preisfindung durch die Börse werden Entwicklungen an internationalen Finanz- und Immobilienmärkten zeitnah berücksichtigt. Damit ein Treuhandfonds als REIT bezeichnet werden kann, muss der Schwerpunkt der Anlagen eindeutig auf Immobilien und/oder Hypotheken liegen. Die Gewinne der REITs stammen sowohl aus dem Verkauf und der Vermietung bzw. Verpachtung von Grundstücken und Immobilien, aus denen sich laufende Erträge erzielen lassen, als auch aus Zinsgewinnen, die im Zusammenhang mit eigenen Immobilien erzielt werden. Viele REITs sind auf bestimmte Immobilienarten oder Regionen spezialisiert.

 

Offene Immobilienfonds - zentraler Thread bezüglich der Fondsschließungen

Offene Immobilienfonds - Status Quo und Ausblick

Are REITs necessary in a portfolio? Why?

 

Bezüglich einer eigenen selbstgenutzten Immobilie zwecks Altersvorsorge sollte man bedenken, dass die Kosten des Wohnens immer bezahlt werden müssen. Sprich alles, was bei einem Vermieter an Kosten für die Bereitstellung und Unterhaltung einer Immobilie anfällt, fällt selbstverständlich auch für den Immobilieneigentümer bei einer Selbstnutzung an. Die einzige Ersparnis, die man durch eine Eigennutzung erzielen würde, wäre die Gewinnspanne eines Vermieters nach Abzug aller anfallenden Kosten. Diese Gewinnspanne liegt typischerweise im Bereich einstelliger Prozentwerte.

 

Folgende Punkte sollten vor einem Immobilienerwerb beachtet werden:

  • Wertzuwachs ist meist nicht zu erwarten (abhängig vom vorherrschenden Zinsniveau, welches die Nachfrage steuert).
  • Alte Immobilien erzeugen aufgrund schlechterer Energieeffizienz in der Regel höhere Nebenkosten.
  • Selten hat man die Immobiliengröße, die man gerade für den aktuellen Lebensabschnitt benötigt.
  • Eine Immobilie bedeutet mangelnde Flexibilität, sowohl finanziell als auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt (Änderungen in der Lebensplanung sind dadurch kaum mehr möglich).
  • Die Gesamtkosten für eine Immobilie, die über den gesamten Nutzungszeitraum geleistet werden müssen: Kaufpreis, Erwerbsnebenkosten, Grunderwerbsteuer, Gebäudeversicherungskosten, Risikolebens- oder Restschuldversicherung, Kommunalabgaben, Kapitaldienstkosten, Sanierungskosten, Modernisierungskosten.
  • Ein Verkauf der Immobilie ist in den allermeisten Fällen nicht sofort möglich und kann mit möglichen Verlusten einhergehen.

 

Kaufen oder mieten?

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2013_10_wohimmobilien.pdf

 

Bankeinlagen

 

Bei Bankeinlagen handelt es sich um Bankguthaben, bei denen Forderungen von Nichtbanken gegenüber Kreditinstituten bestehen. Bankrechtlich werden die Bankguthaben nach ihrer Befristung und damit nach ihrer Verfügbarkeit unterschieden. Ist keine Befristung vereinbart oder die Geldanlagen sind jederzeit für den Bankkunden verfügbar oder die Laufzeit bzw. Kündigungsfrist liegt unter einem Monat, handelt es sich um täglich fällige Einlagen. Hierfür wird auch die Bezeichnung Sichteinlagen verwendet (z. B. Girokonten und Tagesgeldkonten). Weil diese Anlageform jederzeit disponibel ist, wird sie von Kreditinstituten nicht oder nur sehr gering verzinst.

 

Bei befristeten Einlagen (z. B. Festgelder und Sparbriefe) wurde vor ihrer Entstehung eine Vereinbarung mit dem Kreditinstitut getroffen, wonach die Laufzeit oder Kündigungsfrist mindestens einen Monat betragen soll. Während dieses Zeitraumes ist eine vorzeitige Verfügung über befristete Einlagen meist nicht zulässig oder wird mit Strafzinsen bedroht.

 

Bankguthaben bei deutschen Kreditinstituten unterliegen mindestens der gesetzlichen Einlagensicherung. Sollte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) feststellen, dass ein Kreditinstitut nicht in der Lage ist, Einlagen zurückzuzahlen und auch nicht abzusehen ist, dass eine Rückzahlung oder Erfüllung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen könnte, würde eine gesetzliche Entschädigung laut § 1 Abs. 5 EAEG eintreten. Der Entschädigungsanspruch ist der Höhe nach begrenzt auf 100.000 Euro pro Person und pro Kreditinstitut - es bietet sich also an, größere Anlagesummen auf mehrere Kreditinstitute zu verteilen. Kunden, bei denen ein solcher Fall eintritt, müssen ihren Entschädigungsanspruch in schriftlicher Form bei der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH geltend machen.

 

Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken schützt Einlagen von Privatkunden über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus und wird von etwa 150 Banken getragen. Die Sicherungsgrenze entspricht pro privatem Kunden 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank. Sobald ein sogenannter Entschädigungsfall durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht festgestellt wurde, werden die jeweiligen Kunden angeschrieben und im weiteren Verlauf entschädigt.

 

Hier finden sich Ratings der vier großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Fitch, Moody’s und DBRS für mehr als 180 Banken. Credit Default Swaps (CDS) können hilfreich bei der Bonitätseinschätzung von Unternehmen sein.

 

Als Bankeinlage bietet sich bspw. eine rollierende Sparbriefleiter an (unter Inkaufnahme einer eingeschränkten Liquidität). Die Laufzeiten sollten je nach vorliegender Leitzinsstruktur gestaffelt werden, um in Niedrigzinszeiten potentielle spätere Zinssteigerungen besser ausnutzen zu können oder um sich in Hochzinszeiten hohe Zinssätze über längere Laufzeiten zu sichern.

Bessere Liquidität bieten Banksparpläne (durch Kündigungsmöglichkeiten unter Beachtung von etwaigen Vorschusszinsen).

 

Zinsvergleiche für Bankeinlagen: Modern-Banking und Kritische Anleger

Anlage-Entscheidungsrechner für Bankeinlagen: FMH-Rechner

 

Renten-ETF vs. Tagesgeld/Festgeld/Sparbriefe

Festgeldrenditen

Festverzinsliche Sparpläne

Aktuelle Sonderkonditionen von Brokern und Banken

Der Kaiser ist nackt: Ein Blick auf die Einlagensicherungen in Europa

Des Kaisers eigentliche Kleider: Die schützende Hand des Staates

Der Kaiser und das Gespenst: Die EU-Einlagensicherung

Der Hofnarr neckt den Kaiser: Einlagensicherungen im Test

 

Bankeinlagen und Inflation

 

Die Inflation ist für Sparer ein Risiko. Wer in Tagesgeld und Festgeld investiert, ist der Teuerungsrate schutzlos ausgeliefert. Die Inflation schmälert die reale Rendite und kann bei zu niedriger Verzinsung unterm Strich sogar zu einem Kaufkraftverlust führen. Bei drei Prozent Inflation im Jahr verliert Vermögen binnen 10 Jahren mehr als ein Viertel seiner Kaufkraft. Deshalb ist es geradezu fahrlässig, nicht benötigte Gelder bspw. auf Sparbüchern und Girokonten mit 0,0 bis 0,5 Prozent Zinsen im Jahr anzulegen.

 

Sparer sollten stets versuchen, eine positive Realverzinsung nach Steuern zu erzielen. Die Realverzinsung ergibt sich aus der Differenz von Zinssatz und Inflationsrate. Bei 5 Prozent Zinsen und 3 Prozent Inflation beträgt der Realzins 2 Prozent. Beim Realzins nach Steuern wird zusätzlich die Kapitalertragsteuer abgezogen. Die Steuer berücksichtigt die Inflation nicht und bezieht sich auf die nominalen Zinserträge.

 

Dieser auch als "kalte Progression" bekannte Effekt ist für Anleger nachteilig - ein Fallbeispiel: Ein Sparer legt 20.000 Euro zu 5 Prozent Zinsen für ein Jahr lang an und erhält somit 1000 Euro Zinsen. Von 1000 Euro Zinsertrag oberhalb des Freibetrages verbleiben nach Abzug von Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag noch 736,25 Euro. Das Kontoguthaben ist nach Steuern somit auf 20.736,25 Euro angewachsen. Beträgt die Inflation im selben Zeitraum 3 Prozent, beläuft sich der reale Ertrag auf gerade einmal 136,25 Euro und damit nicht einmal 0,7 Prozent. Zur Erläuterung: Bei einem Anlagebetrag in Höhe von 20.000 Euro und 3 Prozent Inflation müssen kalkulatorisch 600 Euro Kaufkraftverlust abgezogen werden.

 

Nicht immer ist es möglich, einen vollständigen Inflationsausgleich zu schaffen. Dies liegt zum einen an hohen Inflationsraten, zum anderen an der Zusammenstellung des Warenkorbs, aus welcher der Verbraucherpreisindex (= die Inflationsrate) berechnet wird. Während ein Teil der Preise dieses Warenkorbs sinkt, wie z. B. Elektrogeräte (die jedoch meist nur alle paar Jahre gekauft werden), steigen die Preise für Strom, Kraftstoffe, Heizöl und für Dinge des täglichen Bedarfs u. U. weiter rasant an.

 

Destatis - Preis-Kaleidoskop

Destatis - Persönlicher Inflationsrechner

Inflation - aktuelle und historische Inflation pro Land

Harmonized Indices of Consumer Prices (HICPs)

 

Investmentfonds

 

Ein Investmentfonds ist ein von einer Kapitalanlagegesellschaft (Investmentgesellschaft) verwaltetes Sondervermögen, das in Wertgegenständen wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffen und /oder Derivaten angelegt wird. Das von Anlegern eingezahlte Geld bleibt als Fondsvermögen vom Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt und im Eigentum der Anleger, fällt daher auch im Konkursfall nicht unter die Insolvenzmasse der Gesellschaft. Die Anleger der Fonds erhalten für ihre Einlage Anteilsscheine an diesem Vermögen.

 

Bei Investmentfonds unterscheidet man zwischen aktivem Fondsmanagement und passiven Investmentansätzen. Beim aktiven Fondsmanagement geht es darum, durch gezielte Einzeltitelauswahl und durch unterschiedliche Investmentansätze überdurchschnittliche Erträge zu erwirtschaften. Ziel ist es, die jeweilige Benchmark (= Index) zu schlagen. Beim passiven Management eines Indexfonds bzw. Exchange-traded funds (ETF) entspricht das Portfolio dieser Benchmark. Die Verwalter von passiven Anlagen treffen keine eigenständigen Anlageentscheidungen, es findet keine Auswahl von Einzeltiteln statt.

 

Investmentfonds produzieren jährlich anfallende Kosten, die dem Fondsvermögen belastet werden und zu Lasten der Performance gehen. Über die Höhe der Kosten gibt die Total Expense Ratio (TER) Aufschluss. Die Total Expense Ratio enthält Verwaltungsgebühren, z. B. für die Fondsgeschäftsführung, das Portfoliomanagement, Wirtschaftsprüfer und Betriebskosten. Nicht enthalten sind Ausgabeaufschläge, die Transaktionskosten für Wertpapierkäufe und -verkäufe und die gesondert aufzuführenden erfolgsabhängigen "Performance Fees".

 

Aufgrund geringerer Kosten, breiter Diversifizierung und minimaler "Cash Drags" erzielten Index-Anlagestrategien im Rahmen langfristiger Anlagehorizonte eine bessere Performance als aktiv verwaltete Anlagestrategien. Wenngleich einige aktive Manager diese Hürde aus den genannten Faktoren in der Vergangenheit überwinden konnten - dauerhaft gelingt es der Mehrheit dieser Manager nicht, eine Outperformance zu erzielen, da es immer schwieriger wird, die Gesamtheit der Kosten zu übertreffen.

 

Stärken und Schwächen von aktiven und passiven Fonds

Wie erkenne ich ex ante den zukünftigen Fonds(manager), der outperformt?

Index-unabhängige vs. index-orientierte Anlage

Aktiv oder passiv? 10 Morningstar-Kategorien im Rating-Check

Mischen impossible oder das Leiden der flexiblen Mischfonds

Vermögensverwaltende Fonds oder die 2,2-Prozent-Frage

Der tückische Charme konservativer Mischfonds

Mischfonds: Zehn Thesen in einer Bildergeschichte

Mischfonds-Umschau: These 5-10

Der nicht so feine Unterschied zwischen ETF-Portfolios und ETF-Dachfonds

Asset Standard - Vermögensverwaltende Produkte

 

Die Vorteile der Indexierung am Beispiel europäischer Fonds.pdf

A Case for Index Fund Portfolios.pdf

 

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Einstiegsszenarien und Investitionsvarianten

 

Für den passiven Langfristinvestor dürfte sich die Frage eines passenden Einstiegzeitpunktes im Grunde genommen gar nicht stellen, da er im Normalfall breit diversifiziert über mehrere Anlageklassen anlegt und somit so früh wie möglich investiert sein sollte. Sollten dennoch Bedenken bestehen, höhere Kapitalsummen komplett ins Spiel zu bringen, wäre ein fester Zeitrahmen mit entsprechenden Investitionsintervallen von Vorteil, in denen gleichanteilig investiert wird. Durch eine zeitliche Streckung der Investitionen kann das Risiko eines Einstiegs gegen den Markt abgesenkt werden, natürlich bei gleichzeitiger Inkaufnahme von Renditeeinbußen.

 

7.23.2012_Dollar-cost_Averaging.pdf

 

Beim An- und Verkauf börsennotierter Indexfonds fallen Handelsgebühren an - je nach Ordergröße und Handelspartner und -zeit gestalten sich diese unterschiedlich hoch. Je kleiner die Investitionssumme und je kürzer die Haltedauer für Wertpapiere ist, desto wichtiger wird die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis, auch Geld-Brief-Spanne oder Spread genannt. Um die Transaktionskosten beim Erwerb von ETF über die Börse möglichst gering zu halten, sollte man zunächst größere Summen ansparen und im weiteren Verlauf in das ETF-Depot umschichten (als Faustregel gelten mindestens 1.000 Euro pro Transaktion). Zum Ansparen eignen sich Tagesgeldkonten.

 

Online-Broker im Vergleich

Wieviel kostet es ETFs zu kaufen?

 

Möchte man auch mit kleineren Sparraten möglichst frühzeitig in die Märkte einsteigen, bieten sich als Alternative kostengünstige ETF-Sparpläne einiger Kapitalanlagegesellschaften an (mit Einschränkungen bezüglich der Fondsauswahl und häufig mit zeitlichen Begrenzungen) - diese werden in zunehmendem Maße von den Direktbanken implementiert.

 

Preisvergleich für ETF-Sparpläne

ETF-Strategie-Planer

 

Der Durchschnittskosteneffekt

 

Der Durchschnittskosteneffekt (auch Cost-Average-Effekt) ist ein Effekt, der bei der regelmäßigen Anlage gleich bleibender Beträge in Wertpapiere entsteht.

 

Dabei führen Wertschwankungen der Wertpapiere dazu, dass der Anleger im Durchschnitt seine Anteile bei gleich bleibenden Raten günstiger erhält, als wenn er regelmäßig zu unterschiedlich hohen Preisen eine gleich bleibende Menge von Anteilen kauft. Denn bei hohen Anteilspreisen werden automatisch weniger Anteile gekauft, bei niedrigen Anteilspreisen entsprechend mehr.

 

Dieser Effekt wird häufig in der Werbung für Fondsparpläne angeführt. Er beschert jedoch keinesfalls höhere Gewinne bzw. niedrigere Verluste als eine Einmal-Anlage. Da sich im Verlauf des Ansparens immer mehr Kapital ansammelt, das ganz den Schwankungen der Anteilspreise unterliegt, und da die einzelne Rate einen immer kleiner werdenden Bruchteil dieses Kapitals ausmacht, nimmt der Durchschnittskosteneffekt mit zunehmender Laufzeit eines Sparplans immer weiter ab. Das heißt, das angesparte Vermögen verhält sich jetzt so, als hätte man einmalig eine hohe Summe Geld angelegt, und Kursschwankungen wirken sich überproportional auf die Rendite aus – sowohl nach oben als auch nach unten.

 

Die Ausnutzung des Cost-Average-Effekts führt dazu, dass aufgrund der gleich bleibenden Investmenthöhe durchschnittlich pro Anteil/Aktie das harmonische Mittel der Kurse bezahlt wird. Dieses liegt stets etwas unter dem arithmetischen Mittel, das bei regelmäßigem Kauf gleich bleibender Stückzahlen bezahlt würde.

 

ETF-Schnäppchenjagd mit integriertem Rebalancing

 

Portfolio-Rebalancing

 

Wer eine Asset-Allocation-Strategie verfolgt, strebt ein optimales Risiko-Ertrags-Verhältnis durch Investitionen in eine Reihe von unterschiedlichen Assetklassen an. Dabei nutzt man die Tatsache, dass die Erträge der einzelnen Assetklassen aufgrund ihrer unterschiedlichen Entwicklungen nur schwach miteinander korreliert sind. Durch eine geschickte Portfolioaufteilung ist es möglich, entweder einen höheren Ertrag bei einem zuvor festgelegten Risiko oder ein niedrigeres Risiko bei einem zuvor festgelegten Ertrag zu erzielen.

 

Asset Allocation ist also auch eine Risikomanagementstrategie. Deshalb ist es wichtig, dass das Portfolio so wenig wie möglich von der optimalen Asset Allocation abweicht. Sonst passt die Positionierung des Portfolios nicht mehr zum vorher festgelegten Anlagehorizont und Risikoprofil. Zudem ist es wichtig, sich so wenig wie möglich von der Effizienzlinie zu entfernen, damit die Korrelationsunterschiede zwischen den einzelnen Assetklassen voll ausgenutzt werden können. Die Effizienzlinie ist der geometrische Ort aller effizienten Ertrags-Risiko-Kombinationen. Auf der Effizienzlinie liegen dementsprechend alle Portfolien, bei denen sich die Rendite nicht mehr durch eine Risikozunahme steigern lässt.

 

Rebalancing ist der Prozess, die Asset Allocation eines Portfolios auf seinen Ursprungszustand zurückzuführen, nachdem es signifikant aus dem Gleichgewicht geraten ist. Um gehäuftes Rebalancing und somit Transaktionskosten zu vermeiden, sollte man eine Investitionsbandbreite von 10 bis 25 Prozent Abweichung je Assetklasse festlegen (dynamisches Rebalancing). Ein Rebalancing kann auch durch laufende Neuanlagen geschehen, die in die schwächelnden Teile des Depots investiert werden.

 

Re-Balancing versus Over-Balancing

Was bleibt vom Rebalancing Premium

Rebalancingschwellen

 

Ausstiegsszenarien und Deinvestitionsvarianten

 

Gegen Ende eines Anlegerlebens sind geeignete Ausstiegszenarien wichtig, um das angesparte Kapital möglichst gut zu schützen. Hier existieren diverse Ansätze, bspw. zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Ruhestand die risikoreichen Investments komplett oder anteilig in risikogeringe Anlageklassen umzuschichten - in Abhängigkeit vom Lebensalter, vom eigenen Gesundheitszustand und von Vererbungswünschen ggf. auch in eine Sofortrente.

Ein weiteres Szenario wäre es, ab einem gewissen Zeitpunkt jährlich oder dynamisch beim Rebalancing zu entnehmen und umzuschichten – so würde man quasi antizyklisch deinvestieren.

 

Rente selbst gebaut: Auszahlpläne und Tagesgeld-Verzehr

 

Teilweise werden höhere Anteile risikoreicher Wertpapiere im Rentenalter favorisiert. So bspw. beim schwedischen Staatsfonds AP7, bei dem bis zum 55. Lebensjahr zu 100 Prozent, im 70. Lebensjahr zu 50 Prozent und ab dem 75. Lebensjahr immerhin noch zu 33 Prozent in Aktienfonds investiert wird. Auf der AP7 Homepage gibt es einen Regler, über den man für jedes Alter die dementsprechende Asset Allokation des Staatsfonds ersehen kann.

 

F_2012_Sep_The_Glidepath_Illusion.pdf

Choosing A Withdrawal Rate That Is Sustainable.pdf

Determining Withdrawal Rates - William Bengen.pdf

 

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Synthetisch replizierender ETF oder physisch replizierender ETF?

 

Anleger setzen sich bei Investitionen in ETF nicht nur den Marktrisiken, sondern zusätzlich auch möglichen Ausfallsrisiken aus. ETF sind zwar als Sondervermögen vor einem Emittentenrisiko gefeit, innerhalb des ETF-Sondervermögens könnten jedoch durchaus Kontrahentenrisiken schlagend werden. Davon betroffen sind aber nicht nur die generell unter Generalverdacht stehenden synthetischen ETF auf derivativer Basis, sondern auch die auf physische Replikation ­setzenden Indexprodukte.

 

Physisch replizierende Exchange-traded Funds investieren in die im jeweiligen Index enthaltenen Produkte (Direct Replication). Sie arbeiten in der Regel nach der (Optimized) Sampling-Methode, d. h. es wird nur eine Teilmenge der Indexkonstituenten ins Sondervermögen gekauft (normalerweise die Werte, die das größte Gewicht im Index haben und eine entsprechende Liquidität aufweisen). Der Vorteil der Sampling-Methode im Vergleich zur vollständigen physischen Replikation (Full Replication) ist, dass die Transaktions- und Verwaltungskosten gerade bei Indizes mit sehr vielen Titeln deutlich reduziert werden können.

 

Anbieter physisch replizierender ETF betreiben im Normalfall Wertpapierleihe, um Zusatzerträge zu generieren. Damit entsteht ein Kontrahentenrisiko dergestalt, dass der Leihnehmer die Wert­papiere am Ende nicht retourniert. Obwohl ETF-Anbieter von Leihnehmern im Idealfall Sicherheiten höchster Qualität verlangen, die letztendlich den Wert der verliehenen Wertpapiere übersteigen, besteht dennoch das Risiko, dass die hinterlegten Sicherheiten im Extremfall mangels Werthaltigkeit (eingefroren, illiquide, unerwarteter Kurssturz) nicht zum Wert der verliehenen Wertpapiere liquidiert werden können.

 

Für den Investor führt dieses Restrisiko häufig zu einem asymmetrischen Chancen-Risiko-Profil - die Praxis zeigt nämlich, dass nur wenige Anbieter ihren ETF in vollem Umfang die vereinnahmten Leihegebühren weiterleiten (im Normalfall 50 bis 70 Prozent).

 

Synthetische ETF, die nach OGAW/UCITS IV-Regularien aufgelegt werden (erkennbar an der Bezeichnung UCITS im Namen), funktionieren größtenteils als Unfunded- bzw. Funded-Swap-Modell. Sie halten im Gegensatz zur physischen Replikation nicht die Wertpapiere der zugrundeliegenden Indizes, sondern komplett andere in Form eines Trägerportfolios (Substitute Basket). Zusätzlich schließen die Anbieter dieser ETF eine Tauschvereinbarung (Swap-Kontrakt) mit einem oder mehreren Swap-Kontrahenten (üblicherweise Investmentbanken), durch die die Performance des Trägerportfolios gegen die Performance vom Referenzindex, der das vermeintliche Underlying des ETF darstellt, gegen eine Gebühr getauscht wird.

 

Durch diese indirekte Replikation sind synthetische ETF in der Lage, einen Index effizienter und exakter nachzubilden. Gerade bei sehr breiten oder illiquiden Marktindizes können synthetische ETF Vorteile bieten. So machen Handelsrestriktionen, unterschiedliche Zeitzonen und auch steuerliche Aspekte eine physische Replikation schwierig - ohne synthetische Replikation wären bspw. keine ETF auf Rohstoffe oder Geldmarkt-Zinssätze wie EONIA im Angebot.

 

Aufgrund der Swap-Kontrakte entsteht bei Unfunded-Swap-Modellen ein Ausfallrisiko bei den Swap-Kontrahenten, welches gemäß OGAW/UCITS IV-Regularien auf 10 Prozent des Fondsvermögens (Netto-Inventarwert) begrenzt ist.

Um das Ausfallrisiko weiter zu minimieren, begrenzen die meisten ETF-Anbieter ihr Kontrahentenrisiko auf ein Niveau deutlich unterhalb des vorgeschriebenen Maximums (Funded-Swap-Modell). In manchen Fällen werden synthetische ETF sogar mit über 100 Prozent abgesichert. Sobald das vom ETF-Anbieter gesetzte Limit erreicht wird, wird der Swap zurückgesetzt (Resetting), d. h. der ETF-Anbieter verlangt von der Gegenpartei die Lieferung zusätzlicher Sicherheiten in Form von Cash oder Wertpapieren.

 

Sowohl physisch replizierende als auch synthetisch replizierende Indexfonds weichen in ihrer Wertentwicklung von den Wertentwicklungen der zugrundeliegenden Indizes ab. Die Richtgröße für diese Abweichungen wird als Tracking-Differenz bezeichnet. Die Tracking-Differenz beinhaltet sämtliche Kosten und Gebühren (TER und Kosten für Swap-Transaktionen) und auch renditebeeinflussende Maßnahmen mit Auswirkungen auf die Fonds (bspw. positive Erträge durch Wertpapierleihe, durch Swap-Transaktionen und durch Quellensteuerrückerstattungen). Sie gibt somit als Ergänzung zur Pauschalgebühr bzw. zur Gesamtkostenquote (TER) hinaus auch ein Bild von etwaigen Zusatzrisiken der Fonds ab. Die Berechnung der Tracking-Differenz erfolgt naturgemäß ex post und wird als jährlicher Prozentsatz angegeben.

 

Die Tracking-Differenz sollte nicht mit dem Tracking Error verwechselt werden, der die Volatilität (bemessen durch die Standardabweichung) der Tracking-Differenz im Zeitablauf angibt. Der Tracking Error zeigt an, wie beständig der ETF seinen Index nachbildet. Bei der Berechung des Tracking Errors existiert derzeit kein standardisiertes Verfahren, wodurch sich die gelieferten Zahlen von den ETF-Anbietern nicht eins zu eins vergleichen lassen. Der Tracking Error hängt von der Datenfrequenz (täglich, wöchentlich oder monatlich), vom Berechnungszeitraum (ein Jahr, drei Jahre, fünf Jahre), von Rundungsabweichungen und von feiertagsbedingten Abweichungen ab.

 

Die in manchen Dokumenten genannten Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren für ETF können getrost übersehen werden, da sie nicht für die privaten Endkunden gelten, sondern nur in den Creation/Redemption-Prozessen (Tausch von Aktienkörben gegen Fondsanteile) der Designated Sponsors (oder auch Market Maker) anfallen.

 

Das große Einmaleins der Index-Anlage

Tracking Error versus Tracking Difference

Fonds: Begrenzung von Risiken bei Leih- und Swapgeschäften

Was führt zur Bankenpleite?

 

Morningstar Report On the Right Track Measuring Tracking Efficiency in ETFs February 2013.pdf

SyntheticETFs_DRAFT_14-05.pdf

Securities Lending in Physical ETFs (4).pdf

Unterschiede_und_Gemeinsamkeiten_boersennotierter_passiver_Investmentprodukte.pdf

Funktionsweise und Replikationstil.pdf

Was passiert im ETF.pdf

 

Besteuerung von Investmentfonds bis Ende 2017

 

Die Erträge von Investmentfonds, deren Anteile nach dem 31.12.2008 erworben wurden, stellen nach deutschem Recht "Einkünfte aus Kapitalvermögen" dar, die seit 2009 separat von anderen Einkünften besteuert werden. Sie unterliegen nach § 43 EStG einer Abgeltungsteuer von 25 Prozent, die sich um den Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Abgeltungsteuerschuld) und ggf. um die Kirchensteuer erhöht. Liegt der persönliche Steuersatz eines Anlegers unter 25 Prozent, so reduziert sich die Abgeltungsteuer im Rahmen der Einkommensteuererklärung auf den Satz der persönlichen Einkommensteuer (Günstigerprüfung).

 

Die Abgeltungsteuer wird im Regelfall im "Quellensteuerverfahren" erhoben. Das bedeutet, dass inländische Kreditinstitute, welche dem Anleger die Erträgnisausschüttung oder im Fall der Anteilrückgabe oder Anteilveräußerung den Verkaufserlös gutschreiben, die fällige Abgeltungsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer einbehalten und an die Finanzbehörde abführen.

Für Rückgaben und Veräußerungen von im Ausland verwahrten Fondsanteilen und darauf geleistete Erträgnisausschüttungen und für Erträge aus ausländischen thesaurierenden Investmentfonds (auch wenn diese in einem inländischen Bankdepot verwahrt werden) unterbleibt der Abzug von Abgeltungsteuer im Quellensteuerverfahren. In diesen Fällen ist eine Angabe in der Einkommensteuererklärung mittels Steuerbescheinigung erforderlich (sog. Veranlagungsverfahren).

 

Die Steuerbescheinigungen für die angefallenen Einkünfte aus Kapitalvermögen werden von den depotführenden Kreditinstituten erstellt und verschickt - diese sollten entsprechend sorgfältig aufbewahrt werden, um die enthaltenen Angaben zu den Erträgen von Fonds für die Einkommensteuererklärung in der Anlage KAP verwenden zu können.

Ergänzend können die von der Kapitalanlagegesellschaft veröffentlichten steuerlichen Daten zu den Ausschüttungen bzw. Thesaurierungen (Besteuerungsgrundlagen bezogen auf einen Anteil) im Bundesanzeiger eingesehen werden (sowie bei Fonds mit deutschem Domizil zusätzlich in den Jahresberichten).

Jahresberichte erscheinen im Regelfall bis spätestens vier Monate nach Geschäftsjahresende des betreffenden Fonds und sind direkt bei der Kapitalanlagegesellschaft oder dem depotführenden Kreditinstitut kostenlos erhältlich. Im Bundesanzeiger sind die steuerlichen Angaben ebenfalls bis spätestens vier Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres bei thesaurierenden Fonds bzw. vier Monate nach Ausschüttungsbeschluss bei ausschüttenden Fonds unter der Rubrik "Besteuerungsgrundlagen" veröffentlicht und mittels Wertpapierkennnummer (WKN) oder International Securities Identification Number (ISIN) der Fonds einsehbar.

 

Die Besteuerung von Investmentfonds erfolgt nach dem sog. Zuflussprinzip, d. h. dass Einkünfte bzw. Erträge in dem Kalenderjahr versteuert werden müssen, in welchem sie dem Anleger zugeflossen sind bzw. als zugeflossen gelten. Bei ausschüttenden Fonds ist demzufolge das Jahr maßgebend, in welchem die Ausschüttung durch das depotführende Kreditinstitut an den Anleger ausgezahlt wurde. Bei thesaurierenden Fonds ist das Jahr der Thesaurierung der Erträge maßgebend. Erträge werden üblicherweise acht bis zwölf Wochen nach Geschäftsjahresende ausgeschüttet, während Thesaurierungen am Geschäftsjahresende des Fonds erfolgen. Bei Rückgabe oder Veräußerung von Fondsanteilen ist ein realisierter Gewinn in dem Jahr zu versteuern, in welchem der Erlös dem Anleger gutgeschrieben wurde.

 

Sollten bei der Rückgabe oder Veräußerung von Fondsanteilen Verluste entstehen, so werden diese im allgemeinen Verlustverrechnungstopf vermerkt und dort zunächst mit etwaigen Gewinnen verrechnet. Nach Wahl des Anlegers können die Endsalden aus dem Verlustverrechnungstopf in der Einkommensteuererklärung für das betreffende Kalenderjahr geltend gemacht werden (z. B. für Zwecke der Verrechnung mit Gewinnen bei anderen Kreditinstituten), oder der Verlustverrechnungstopf wird auf Depotebene im darauf folgenden Jahr weitergeführt. Soll das vorhandene Guthaben im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer berücksichtigt werden, ist spätestens bis zum 15. Dezember des Kalenderjahres ein Antrag auf Bescheinigung der Verluste beim betreffenden Kreditinstitut zu stellen.

 

Fondsanteile werden anhand der Fifo-Methode ("first-in-first-out") veräußert, d. h. bei der Rückgabe von Teilpositionen eines Fonds werden die zuerst angeschafften Fondsanteile auch zuerst verkauft. Da etwaige Zwischengewinne separat besteuert werden, ist der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn um den im Verkaufspreis enthaltenen Zwischengewinn zu mindern (Abzug vom Veräußerungsgewinn) und um den beim Kauf gezahlten Zwischengewinn zu erhöhen (Hinzurechnung zum Veräußerungsgewinn). Ebenfalls sind bereits mittels Veranlagungsverfahren versteuerte Erträge, die noch im Fondspreis enthalten sind (ausschüttungsgleiche Erträge während der Besitzzeit), bei der Berechnung des Veräußerungsgewinns abzuziehen und anrechenbare ausländische Quellensteuern (ohne fiktive ausländische Quellensteuern) hinzuzurechnen.

 

Privatanleger können Kapitalerträge von bis zu jährlich 801 € (bei steuerlich zusammenveranlagten Ehegatten bis zu 1.602 €) bei ihrem inländischen depotführenden Kreditinstitut freistellen lassen und so steuerfrei vereinnahmen (§ 44a Abs. 1 Nr. 1 EStG i.V.m. § 20 Abs. 9 EStG). Der Anleger kann auch mehreren Kreditinstituten gleichzeitig Freistellungsaufträge erteilen - dabei darf aber die Gesamtsumme von jährlich 801 € bzw. 1.602 € nicht überschritten werden. Für Erträge und Gewinne aus andersverwahrten Anteilen, bei denen kein inländisches Kreditinstitut zur Depotführung eingeschaltet ist, können keine Freistellungsaufträge erteilt bzw. berücksichtigt werden. Anwendungen von Freistellungsaufträgen sind etwaigen Verlustverrechnungen mittels Verlustverrechnungstöpfen nachrangig.

 

Fazit für die Praxis:

  • Steuertransparent sind alle Fonds, die in Deutschland zugelassen sind und deren Erträge regelmäßig den deutschen Behörden gemeldet und somit im Bundesanzeiger angezeigt werden. Bei Fonds, die dieses Kriterium nicht erfüllen, kann es zu einer nachteiligen Pauschalbesteuerung kommen (nach § 6 Investmentsteuergesetz (InvStG) werden mindestens 6 Prozent des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises steuerpflichtig angesetzt). Seit Februar 2016 können Anleger laut BFH-Urteil den individuellen Nachweis zur Besteuerungsgrundlage intransparenter Investmentfonds erbringen, um eine Pauschalbesteuerung zu umgehen.
  • Fonds mit deutschem Domizil (entscheidend sind hier die Angaben der jeweiligen Kapitalanlagegesellschaft und nicht unbedingt eine DE-Kennung in der ISIN) sind durch das Quellensteuerverfahren immer "steuereinfach" - unabhängig davon, ob sie ausschütten oder thesaurieren.
  • Ausländische ausschüttende Fonds sind ebenfalls "steuereinfach" - dies betrifft auch Fonds mit Teilthesaurierungen im laufenden Geschäftsjahr, sofern die Höhe der Ausschüttung zum Geschäftsjahresende die gesamte Steuerlast auf Teilthesaurierungen und Ausschüttung abdeckt.
  • Ausländische Fonds, die zum Geschäftsjahresende vollständig thesaurieren (betroffen sind hier auch Fonds mit Ausschüttungen im laufenden Geschäftsjahr) und somit ausschüttungsgleiche Erträge generieren, sind nicht "steuereinfach" - in diesen Fällen müssen die ausgewiesenen Erträge per Steuererklärung in den jeweiligen Jahren angegeben werden und im Falle einer späteren Veräußerung verrechnet bzw. als schon versteuert nachgewiesen werden (ansonsten bestünde die Gefahr einer Doppelbesteuerung).
  • Ausländische Fonds, die ihre zum Geschäftsjahresende vollständig thesaurierten Erträge mittels Swap-Vereinbarungen verrechnen können (also keine ausschüttungsgleiche Erträge ausweisen), sind wiederum "steuereinfach" - sämtliche Erträge werden erst nachgelagert bei Veräußerung besteuert, somit besteht bei diesen Fonds keine Gefahr einer Doppelbesteuerung.
  • Anleger sollten zwecks Ausschöpfung des Sparerpauschbetrages jährliche Erträge in Form von Ausschüttungen oder ausschüttungsgleichen Erträgen steuerlich geltend machen - bei Nichtausnutzung des Pauschbetrages würde dieser nämlich einfach verfallen.
  • Anleger sollten bei ausländischen Fonds die jährlichen Steuerbescheinigungen der depotführenden Institute mittels der Angaben im Bundesanzeiger auf Fehler gegenkontrollieren.
  • Anleger sollten bei Depotüberträgen darauf achten, dass die Anschaffungsdaten von Altbeständen aus den Jahren vor 2009 korrekt übermittelt werden und somit eine fehlerhafte Besteuerung bei späterer Veräußerung vermieden wird.

 

Steuerstatus und Trackingdifferenzen von Aktien-ETFs auf Standardindizes

Der elektronische Bundesanzeiger und die Veröffentlichung von Besteuerungsgrundlagen

Bundesanzeiger

Bundeszentralamt für Steuern

 

Steuermerkblatt-Inland-1.pdf

 

Steuerlicher Ausblick auf 2018

 

Ab 2018 sollen alle Investmentfonds bei der Steuer gleich behandelt werden - es wird dann eine pauschale Wertsteigerung des Fondsanteils als Bemessungsgrundlage für die Abgeltungssteuer herangezogen, die sogenannte Vorabpauschale. Ausgeschüttete Dividenden werden auf die Pauschale angerechnet. Die Abgeltungssteuer auf die Pauschale wird vom Fiskus direkt einbehalten, also immer dann, wenn Anleger keinen Freistellungsauftrag gestellt oder die 801 Euro Freibetrag schon anderweitig ausgeschöpft sind. Verkaufen Anleger Fonds, wird die auf die Pauschale gezahlte Abgeltungssteuer automatisch verrechnet.

 

Je nach Fondsgattung (Aktienfonds, Rentenfonds, Mischfonds, Immobilienfonds) und je nach Aktien- bzw. Immobilienquote innerhalb der Fonds ist ein Teil der Erträge von der Steuer befreit (Teilfreistellung), dafür entfällt die Anrechnung der Quellensteuer. Die Vorabpauschale berechnet sich aus einem Basiszins, multipliziert mit dem Ausgangswert der Fondsanteile zum Jahresanfang (in Euro) und einem Kostenabschlag (es wird eine Kostenpauschale von 30 Prozent abgezogen, sodass der Kostenabschlagsfaktor bei 0,7 liegt).

Liegen die jährlichen Fondserträge stets innerhalb des jährlichen Freibetrags, muss keine Abgeltungssteuer bezahlt werden. Trotzdem werden sämtliche Pauschalen bei Verkauf des Fonds auf den Gewinn angerechnet.

 

Thesaurierende Fonds hätten zukünftig den Vorteil, dass die Vorabpauschale bei einer negativen Wertentwicklung hinfällig wäre (Zinseszinseffekt) - bei ausschüttenden Fonds müssten dagegen wie gehabt die Dividenden versteuert werden. Die Nicht-Besteuerung bei thesaurierenden Fonds ist allerdings keine Steuerersparnis, sondern lediglich eine Steuerstundung. Bei Verkauf von thesaurierenden Fonds zahlen Anleger Steuern auf die gesamte Wertentwicklung inkl. thesaurierter Erträge. Im Falle, dass ein thesaurierender Fonds zum Verkaufszeitpunkt keine Wertsteigerung aufweist oder gar Verlust gemacht hat, fallen bei Verkauf keine neuen Steuern an. Bereits bezahlte Steuern auf Vorabpauschalen werden dennoch angerechnet. Ein Nullertrag wird dadurch zum Verlust oder der Verlust vergrößert sich. Anleger können den Verlust ins nächste Steuerjahr vortragen.

 

Bei ausschüttenden Fonds müssten kontinuierlich Steuern auf Dividenden gezahlt werden, die erst später bei Verkäufen der Fonds angerechnet werden. Alle Vorabpauschalen, die während der Haltedauer der Fonds angesetzt wurden, werden auf den Verkaufserlös in voller Höhe angerechnet. Diese Erträge müssen Sparer somit kein zweites Mal besteuern. Vom verbleibenden Verkaufserlös sind aufgrund der Teilfreistellung bei Aktienfonds 30 Prozent steuerfrei, bei Mischfonds 15 Prozent, bei Immobilienfonds 60 Prozent und bei Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt im Ausland 80 Prozent.

 

Die neue Steuermethodik bewirkt, dass ausschüttende und thesaurierende Fonds während der Haltedauer steuerlich unterschiedlich belastet werden können, spätestens aber bei Verkauf gleichgestellt sind. Bei synthetischen ETF ist es noch unklar, ob sich eine Teilfreistellung anwenden lässt.

 

Um Problemen mit den Vorabpauschalen für den Übergang 2017/2018 zu entgehen, bietet es sich an, Fonds mit deutschem Domizil, synthetische Fonds ohne ausschüttungsgleiche Erträge und/oder Fonds, deren Geschäftsjahr am 31.12.2017 endet, im Depot zu haben.

 

So funktioniert die Steuer auf Aktienfonds und ETFs ab 2018

 

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Veranschaulichung der Besteuerung für Privatanleger und Überblick über das neue Besteuerungsregime (Quelle: OnStage Magazin)

 

Empfehlenswerte Links zum Thema ETF

 

justETF

ETF-Datenbank

ETF-Suche

Bogleheads

 

ETF-Anbieter

 

Amundi

ComStage

Deka Investment

Deutsche Asset Management

HSBC Global Asset Management

Invesco PowerShares

iShares

Lyxor

Ossiam

SPDR (State Street)

UBS

 

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Aktienportfoliostrukturierungen

 

Sein Risiko bei der Aktienanlage zu streuen, ist wichtig - aber wie eigentlich?

 

Zwecks Diversifikation und unterschiedlicher Korrelationseigenschaften dürfte eine Aufteilung des Aktiendepots auf verschiedene Regionen der Welt sinnvoll sein - gleichzeitig verhindert man damit einen Home Bias. Die Weltaktienregionen unterscheidet man in entwickelte Länder (Developed Markets), Schwellenländer (Emerging Markets) und Grenzmärkte (Frontier Markets). Es existieren unterschiedliche Ansätze, mittels derer die Regionen zueinander gewichtet werden und das vorhandene Vermögen diesen Anteilen entsprechend aufgeteilt wird.

 

Innerhalb der einzelnen Regionen bilden die marktbreiten Benchmark-Indizes die Gewichtungen der enthaltenen Aktien traditionell nach Marktkapitalisierung ab. Die Marktkapitalisierung ist das Produkt aus dem Kurs und der gesamten Anzahl der frei im Umlauf befindlichen Aktienanteile des Unternehmens.

 

Bei den MSCI Standard Indizes erfolgt die Abdeckung mit ca. 70 Prozent auf den Large Cap-Sektor (Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 10 Milliarden USD) und mit ca. 15 Prozent auf den Mid Cap-Sektor (Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 2 und 10 Milliarden USD). Bei den Investable Market Indizes (IMI) von MSCI erfolgt eine Gesamtabbildung der Marktkapitalisierung durch das Hinzufügen vom Small Cap-Sektor (Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 2 Milliarden USD). Neben MSCI existieren noch STOXX Limited, S&P Dow Jones Indices und FTSE Russell als Indexanbieter.

 

MSCI_Feb2017_GIMIMethodology.pdf

Home Bias Forschungsbericht.pdf

 

Developed Markets

 

Die Developed Markets setzen sich aus Nordamerika, Europa und der Pazifikregion zusammen. Im MSCI World Index sind insgesamt 23 Länderindizes mit mehr als 1.600 Unternehmen vertreten: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien und als Hauptvertreter die USA.

 

Nordamerika

 

Der MSCI North America Index beinhaltet ca. 720 Aktienwerte aus den USA und Kanada. Da die Auswahl an ETF für diese Region relativ beschränkt ist, liesse sich der MSCI North America Index zwecks Vergrößerung der Fondsauswahl durch einen MSCI USA Index (ca. 630 Aktienwerte) oder durch einen S&P 500 Index ersetzen. Nachteilig wäre dabei der Verzicht auf Kanada, dessen Anteil am MSCI North America allerdings nur ca. 6 Prozent ausmacht.

 

Europa

 

Der MSCI Europe Index enthält ca. 450 Aktienwerte aus 15 Länder: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien.

Alternativ könnte man den STOXX Europe 600 Index verwenden, um in den Genuß einer breiteren Aufstellung gegenüber dem MSCI Europe Index zu kommen.

 

Pazifik

 

Der MSCI Pacific Index enthält ca. 470 Aktienwerte aus fünf Ländern: Japan, Australien, Hongkong, Singapur und Neuseeland.

 

Emerging Markets

 

Schwellenländer befinden sich am Anfang oder im fortgeschrittenen Prozess der Industrialisierung, gemessen an den wirtschaftlichen Entwicklungsindikatoren. In Emerging Markets zu investieren birgt in aller Regel ein erhöhtes Risiko, da die Börsen- und Devisenkurse dieser Länder durch eine höhere Volatilität und erhöhte Ausfallrisiken gekennzeichnet sind. Demgegenüber besteht die Chance, überdurchschnittliche Gewinne in diesen Ländern zu erzielen, da diese Märkte ein sehr hohes Wirtschaftswachstum aufweisen und noch nicht mit hochwertigen Konsumgütern gesättigt sind. Die Wirtschaft dieser Staaten ist oft gekennzeichnet durch niedrige Löhne und/oder wertvolle Rohstoffquellen. Auch ist die Demographie dieser Länder meist günstig, da der Anteil der jungen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung höher als in Developed Markets ist.

 

Der MSCI Emerging Markets Index enthält 24 Länderindizes mit insgesamt ca. 830 Aktienwerten: Ägypten, Brasilien, Chile, Griechenland, Indien, Indonesien, Katar, Kolumbien, Korea, Malaysia, Mexiko, Pakistan, Peru, Philipinen, Polen, Russland, Südafrika, Taiwan, Thailand, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn, Vereinigte Arabische Emirate und als Hauptvertreter China.

 

Frontier Markets

 

Frontier Markets (auch New Emerging Markets (NEMA)) sind Länder, die in ihrer Wirtschaftsentwicklung ein hohes Wachstum aufweisen, jedoch noch nicht den Stand eines Emerging Market erreicht haben. Frontier Markets stehen sozusagen an der Grenze zu einem Emerging Market. Darunter lassen sich Länder aus Asien, Afrika, dem Mittleren Osten, Lateinamerika und Osteuropa zusammenfassen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Frontier Markets gegenüber den Emerging Markets in ihrer Wirtschaftsentwicklung um ca. 20 Jahre zurückliegen.

 

Der MSCI Frontier Markets Index umfasst ca. 130 Aktienwerte aus 29 Ländern: Argentinien, Bahrain, Bangladesch, Estland, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Kroatien, Kuwait, Libanon, Litauen, Marokko, Mauritius, Nigeria, Oman, Rumänien, Serbien, Slowenien, Sri Lanka, Tunesien, Vietnam und die WAEMU (Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal, Togo).

 

Gewichtung der Weltaktienregionen gemäß anteiliger Marktkapitalisierung (KAP)

 

Der MSCI All Country World Index (ACWI) ist ein auf den Streubesitz von ca. 2.500 Unternehmen basierender Index, der die Wertentwicklung der Aktienmärkte in entwickelten Ländern und Schwellenländern weltweit messen soll. Er setzt sich aus 47 Länderindizes zusammen (MSCI World und MSCI Emerging Markets). Im MSCI ACWI stellen sich die Gewichtungen der Regionen derzeit annäherungsweise so dar:

 

56 % MSCI North America

22 % MSCI Europe

11 % MSCI Pacific

11 % MSCI Emerging Markets

 

Der MSCI All Country World Index IMI (ACWI IMI) beinhaltet durch das zusätzliche Small Cap-Segment ca. 8.700 Aktienwerte.

 

Gewichtung der Weltaktienregionen gemäß Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt (BIP)

 

2008 (aktualisiert 2013) erschien eine Studie von Heiko Jacobs, Sebastian Müller und Martin Weber, die einer Gewichtung der Aktien-Portfoliobestandteile nach Anteilen am Bruttoinlandsprodukt den Vorzug gibt (und im ARERO-Fonds umgesetzt wird). Eine realwirtschaftliche Gewichtung lieferte anhand der Studie statistisch signifikant bessere Ergebnisse als der traditionelle prozyklische Marktkapitalisierungsansatz.

 

behavioral-finance-group_band17.pdf

 

Die aktuelle Zusammensetzung des zugrunde liegenden MSCI All Country World Index GDP:

 

27 % MSCI North America

23 % MSCI Europe

10 % MSCI Pacific

35 % MSCI Emerging Markets

05 % MSCI Frontier Markets

 

Alternative Gewichtungsmethoden

 

Da die Verwendung der traditionellen Indizes nach Marktkapitalisierung teilweise kritisch betrachtet wird, existieren mittlerweile alternative Aktienbenchmarks, die einzelne Aktien beispielsweise gleichwertig, nach Dividende, betrieblichen Fundamentalindikatoren oder statistischen Eigenschaften gewichten.

 

Equal Weighted Indices

Entwicklung von MSCI Varianten World/Europe/EM/USA

Research Affiliates Publications

 

alternative-indexing-approaches-german.pdf

SSRN-id2242028.pdf

SSRN-id2242034.pdf

ETF and index development.pdf

Morningstar Manager Research - A Global Guide to Strategic Beta Exchange-Traded Products.pdf

 

Gewichtungen nach Währungsräumen

 

Je umfangreicher man in Aktien investiert, die in anderen Währungszonen notiert sind, desto ausgeprägter werden die damit verbundenen Währungsrisiken. Würde man sein Aktiendepot bspw. durch eine Mischung aus einem USD-lastigen MSCI World-ETF und einem MSCI Emerging Markets-ETF gestalten, so wäre der eigene Währungsraum mit dem Euro stark unterrepräsentiert. Der EUR/USD-Wechselkurs kann bei kürzeren Anlagehorizonten einen recht großen Risikofaktor für die Depotperformance darstellen. Auch die Währungen der Schwellenländer sind ein gewisses Risiko, da sie sehr volatil sind - aufgrund ihrer breiten Diversifizierung wird das Problem allerdings etwas abgeschwächt.

 

Abhängig vom eigenen Anlagehorizont sollte man also gegebenenfalls eine moderate Euro-Übergewichtung in sein Depot einbauen, z. B. durch einen zusätzlichen ETF aus der Eurozone (EURO STOXX oder MSCI EMU). Als Alternative kämen (vergleichsweise kostenintensive) währungsgesicherte ETF in Frage, die mittlerweile durch einige Anbieter emittiert werden.

Bei Langfristanlagen dürfte ein Ausgleich der Währungsunterschiede durch die Regression zum Mittelwert stattfinden (Mean-Reversion-Effekt), zumal die Unternehmen ihre Geschäftstätigkeiten in unterschiedlichen Währungsräumen ausführen.

Völlig unerheblich ist es hingegen, in welcher Währung die Fonds selbst notiert sind.

 

Impact-Foreign-Currency-Movements-Equity-Portfolios.pdf

 

Zusammenhänge zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienrenditen

 

Einige Studien raten Anlegern, die an langfristigen Investitionen interessiert sind, Entscheidungen über ihre Vermögensallokation nicht lediglich anhand von Wirtschaftswachstumsprognosen zu treffen. Ihre Analyse zeigt, dass die durchschnittliche länderübergreifende Korrelation zwischen dem langfristigen Wachstum des Bruttoinlandproduktes und langfristigen Aktienerträgen effektiv null ist. Es wird nachgewiesen, dass dieses unerwartete Ergebnis in den vergangenen 100 Jahren für alle bedeutenden Aktienmärkte sowie in den vergangenen Jahrzehnten auch für die Märkte in den Schwellenländern gültig ist.

 

Bei einer Portfolio-Gewichtung nach Bruttoinlandsproduktdaten kann es daher zu zukünftigen Fehlentscheidungen kommen, weil aufgrund dieser Gewichtung einer Länderallokation der Vorrang gegeben wird. Dadurch könnten Unternehmen, die zwar die entsprechende BIP-Leistung erwirtschaftet aber ihren Sitz in einem anderen Land haben, untergewichtet werden.

 

Weltdepot - Was ist der beste Mix?

Der große Guide zum Weltportfolio

Entwicklung unterschiedlich gewichteter MSCI Indizes

Emerging Markets 1900-2013

 

Global Evidence On The Equity Risk Premium.pdf

IEMGER_092010-1.pdf

1284142322.pdf

 

Langfristige Renditen einzelner MSCI-Indizes lassen sich hier vergleichen: MSCI Index Performance. Bei den Renditeberechnungen unterscheidet MSCI zwischen Price (ohne Dividenden), Net (Nettorendite nach Abzug der Quellensteuer auf die Dividenden) und Gross (Bruttorendite inkl. Dividenden ohne Quellensteuerabzüge).

 

Im Bogleheads-Forum findet sich ein Backtesting-Spreadsheet für unterschiedliche Depotvarianten: Spreadsheet for backtesting

 

Small Cap-Anteile

 

Bezüglich der Weltaktienregionen existieren entsprechende Small Cap-Fonds, die bei größeren Anlagesummen den Standardindizes hinzugemischt werden könnten, um eine breitere Diversifizierung und eine zusätzliche Renditekomponente zu bekommen.

 

The Small Cap Premium: Where is the beef?

Die Welt der Nebenwerte in einem ETF

Entwicklung MSCI Small/Standard

 

Market-Insights-Is-Small-Beautiful-DE.pdf

Diversifikationseffekte durch Small und Mid Caps.pdf

Busting the Myth About Size.pdf

 

Pragmatische Depotansätze

 

Für kleinere Depots und Sparbeträge reichen die einfachen ETF-Lösungen aus, kombiniert mit einem sicheren Depotanteil zwecks Risikosteuerung.

 

1 ETF: MSCI ACWI oder MSCI ACWI IMI

2 ETF: MSCI World - MSCI Emerging Markets

3 ETF: MSCI World - MSCI Emerging Markets - MSCI World Small Cap

 

Fondsauswahl und Depotanalyse

 

Um passende Aktien-ETF für eigene Depotentwürfe zu finden, bieten sich die ETF-Suche von justETF, die ETF-Suche der Börse Frankfurt sowie folgender Thread an: Steuerstatus und Trackingdifferenzen von Aktien-ETFs auf Standardindizes.

Da bei solchen Übersichten nicht immer alle Daten (bspw. Kosten und Domizil) korrekt sein müssen, sollte man die Angaben bei den jeweiligen Emittenten verifizieren.

Zwecks Analyse eigener Depotentwürfe könnte man auf das "Instant X-Ray" aus den Morningstar Fonds Tools zurückgreifen.

 

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Pfandbriefe und Anleihen

 

Pfandbriefe

 

Pfandbriefe sind Anleihen mit Anspruch auf Rückzahlung und Verzinsung, welche durch Kreditinstitute, die eine Erlaubnis zur Ausübung des Pfandbriefgeschäfts besitzen, ausgegeben und am Kapitalmarkt platziert werden. Sie dienen zur Refinanzierung der Kredite, die von den Pfandbriefbanken herausgegeben werden. Das aktuelle Pfandbriefrecht kennt vier unterschiedliche Pfandbriefgattungen: Hypothekenpfandbriefe, Öffentliche Pfandbriefe, Schiffspfandbriefe und als jüngste Gattung Flugzeugpfandbriefe.

 

Pfandbriefe gelten als sehr sicher. Das liegt nicht zuletzt an den besonderen Sicherheitsregeln, die ursprünglich in dem 1899 entstandenen Hypothekenbankgesetz (HBG) zusammengefasst und 2005 in das einheitliche Pfandbriefgesetz (PfandBG) überführt wurden. Durch das Pfandbriefgesetz ergibt sich eine implizite Begrenzung des Pfandbriefumlaufvolumens einer Bank über ihre Vermögenswerte, die sich als Deckungsaktiva qualifizieren.

Eine Sonderform sind die seit 1995 aufgelegten sogenannten Jumbo-Pfandbriefe mit einem Mindestemissionsvolumen von einer Milliarde Euro.

 

Auf dem europäischen Markt werden Pfandbriefe als Covered Bonds bezeichnet. Pfandbriefe bieten aufgrund ihrer Illiquiditätsprämie in der Regel eine etwas höhere Rendite als Staatsanleihen (bei gleichzeitig höherem Kurschwankungsrisiko) und unterliegen Zinsänderungsrisiken.

 

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) ist die Interessenvertretung der Pfandbriefbanken in der Bundesrepublik Deutschland - dort erscheint jährlich das Pfandbrief Fact Book.

 

Staatsanleihen der Developed Markets

 

Staatsanleihen (synonym: Staatsobligationen) sind kurz-, mittel- oder langfristige Anleihen (Schuldverschreibungen), die von der öffentlichen Hand und anderen staatlichen Körperschaften ausgegeben werden. Wie bei jeder anderen Anleihe, besteht auch bei Staatsanleihen ein Adressausfallrisiko. Kommt es zu einem Staatsbankrott, entfallen die Zinszahlungen und Kapitalrückzahlungen der betroffenen Staatsanleihen. Dieses Risiko wird durch Ratingagenturen bewertet. In Abhängigkeit von der Bonität eines Staates und dem Rating muss der betreffende Staat für seine Staatsanleihen einen Risikoaufschlag bezahlen.

 

Staatsanleihen werden in heimischer Währung oder als Fremdwährungsanleihe ausgegeben. Werden Staatsanleihen in einer Fremdwährung erworben, so müssen zusätzlich zur Rendite und zum Ausfallsrisiko auch noch die Währungsrisiken beachtet werden. Während bei Aktien global agierender Unternehmen das Fremdwährungsrisiko aufgrund der globalen Ausrichtung auf ca. 40 Prozent des Gesamtrisikos reduziert wird, trägt man bei Fremdwährungsanleihen das volle Fremdwährungsrisiko der jeweiligen Anleihewährung (welches bis zu 95 Prozent vom Gesamtrisiko ausmachen und etwaige Zinsvorteile somit nivellieren kann).

 

Staatsanleihen dienen in vielen Portfolios als Stabilitätsanker in Krisenzeiten, da sie sich bei hoher Bonität des Emittenten in der Regel durch eine negative Korrelation zum risikobehafteten Portfolioanteil auszeichnen ("Save-Haven-Status") - dieser Sachverhalt trifft im Speziellen auf hochliquide deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries zu.

 

Staatsanleihen unterliegen in Abhängigkeit von ihren Laufzeiten (Durationen) Zinsänderungsrisiken. Speziell Anleihen mit langen Laufzeiten von mehr als 10 Jahren reagieren ausgeprägt auf Zinserhöhungen und Zinssenkungen - dadurch besitzen sie, gemessen an der niedrigen inflationsbereinigten Rendite, höhere Risikoparameter (Standardabweichung und Maximum Drawdown).

 

Anleihen mittlerer Laufzeiten sind unempfindlicher gegenüber Zinsänderungen und haben deshalb eine geringere Volatilität. Rentenanlagen im mittleren Laufzeitbereich (5 bis 7 Jahre) besitzen somit ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis bzw. eine höhere Sharpe Ratio gegenüber langlaufenden Anleihen. Zudem korrelieren sie weniger stark mit Aktien als Langläufer, die sich in erster Linie nur bei tendenziell deflationären Krisen risikomindernd auf den Aktien-Drawdown innerhalb eines Portfolios auswirken (Quelle).

 

Der Markit iBoxx Euro Liquid Sovereigns Diversified Index bietet Zugang zu den liquidesten in Euro denominierten Staatsanleihen, die von Regierungen der Eurozone begeben werden. Der EuroMTS Investment Grade Broad Index, der Barclays Capital Euro Treasury Index sowie der Barclays Capital Euro Government Bond Index beinhalten Euro-Staatsanleihen mit Investment Grade-Rating.

 

Höhere Renditen bei gleichzeitig höherem Risiko bieten Indizes mit europäischen Staatsanleihen aus bonitätsschwächeren Ländern (Italien, Spanien, Belgien, Irland, Slowakei). Wer auf bonitätsschwächere europäische Länder verzichten möchte, greift auf Indizes zurück, die Staatsanleihen mit einem Triple-A- oder High Grade-Rating enthalten (Frankreich, Deutschland, Niederlande, Österreich, Finnland, Luxemburg).

 

Der Citigroup Group-of-Seven (G7) Index bietet Zugang zu Staatsanleihen der sieben führenden Industrienationen: USA, Japan, Italien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Kanada. Die Hauptanteile im Index liegen bei den USA mit ca. 35 Prozent und bei Japan mit ca. 25 Prozent. Der Index enthält ausschließlich Staatsanleihen mit Investment Grade und einer Restlaufzeit von mindestens einem Jahr.

 

Breiter gefächert ist der Deutsche Bank Global Investment Grade Government Index, der den Großteil des weltweiten Marktes für Staatsanleihen aus 20 Industrieländern abbildet - Schwerpunkte sind auch hier die USA und Japan mit insgesamt ca. 60 Prozent Gewichtungsanteilen. Vom Index abgebildete Anleihen werden in der Landeswährung der jeweiligen Regierung begeben.

 

Der Barclays Capital Global Government AAA-AA Capped Bond Index bietet Zugang zu Staatsanleihen in lokaler Währung, die von entwickelten Volkswirtschaften weltweit ausgegeben werden - die Hauptanteile des Portfolios bilden die USA und Deutschland mit jeweils ca. 20 Prozent, des Weiteren Frankreich, Großbritannien und Japan mit jeweils ca. 10 Prozent. Die Anleihen haben ein Kredit-Rating der führenden Rating-Agenturen von mindestens Aa3 (Moody’s), AA- (Standard & Poor’s) und/oder AA- (Fitch).

 

Bundeswertpapiere

 

Wertpapiere des Bundes und seiner Sondervermögen werden als Bundeswertpapiere oder öffentliche Anleihen bezeichnet. Diese dienen zur Finanzierung von Defiziten im Bundeshaushalt und werden durch die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH verwaltet. Bundeswertpapiere liessen sich bei der Finanzagentur mittels eines Schuldbuchkontos gebührenfrei erwerben und verwahren. Leider wurde das Privatkundengeschäft zum Jahresende 2012 eingestellt, so dass nur noch ein gebührenpflichtiger Erwerb über die Börse möglich ist.

 

Bundeswertpapiere variieren hinsichtlich ihrer Laufzeit und ihrer festen jährlichen Nominalzinssätze (Kupons):

 

Bundesschatzanweisungen sind mit einer Laufzeit von zwei Jahren die kurzfristig laufendsten Anleihen des Bundes.

Bundesobligationen werden seit 1979 als Staatsanleihen emittiert - sie haben eine Laufzeit von fünf Jahren.

Bundesanleihen werden von der Bundesrepublik Deutschland seit 1952 als Staatsanleihen herausgegeben. Eine Bundesanleihe hat bei Emission eine Laufzeit von 10 oder 30 Jahren.

 

Der Deutsche Rentenindex misst die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen. Er wird von der Deutschen Börse als Kursindex (REX) und als Performanceindex (REXP) ermittelt.

Der REX besteht aus 30 synthetischen Anleihen mit konstanten Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren und mit je drei Kupontypen: 6 Prozent, 7,5 Prozent und 9 Prozent.

Beim REXP fließen neben den Kursen des REX auch Preisänderungen und Zinserträge in die Berechnung ein. Zur Harmonisierung mit dem deutschen Aktienindex DAX erhielt der REXP am 30. Dezember 1987 eine neue Basis von 100 Punkten.

 

REX_Leitfaden.pdf

 

Der Euro-Bund-Future bezieht sich auf eine fiktive, synthetische 10-jährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit einem Kupon von 6 Prozent. Er ist im europäischen Rentenbereich der liquideste und bedeutenste Terminkontrakt (mit einem Nominalwert von 100.000 Euro) und gilt somit als Referenz für den effektiven Zinssatz von 10-jährigen Bundesanleihen. Der Euro-Bund-Future gilt als ein Indikator für die weitere Zinsentwicklung: steigende Kurse lassen auf sinkende Marktzinsen hoffen, während fallende Kurse auf steigende Zinsen hinweisen.

 

Inflationsindexierte Bundesobligationen und -anleihen sind Schuldverschreibungen mit einer festen Laufzeit von fünf bzw. zehn Jahren oder mehr. Anders als bei den klassischen Bundesanleihen und -obligationen ist ihre nominale Verzinsung nicht fixiert. Sie orientiert sich, wie auch die Tilgungssumme am Laufzeitende, an die Entwicklung eines offiziellen Verbraucherpreisindexes.

 

US-Staatsanleihen

 

US-Staatsanleihen werden vom United States Department of the Treasury (DoT) emittiert:

 

T-Bills oder Treasury Bills sind kurzfristige amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr. T-Bills sind Nullkuponanleihen (Zero Bonds) mit einer Auszahlung am Ende der Laufzeit (ohne laufende Zinszahlungen).

T-Notes sind amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem bis zu 10 Jahren.

T-Bonds sind amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen 10 und 30 Jahren.

 

Unternehmensanleihen der Developed Markets

 

Unternehmensanleihen oder Corporate Bonds werden von Industrieunternehmen als Alternative zur herkömmlichen Kreditaufnahme bei den Banken emittiert, um die Liquidität des Unternehmens zu gewährleisten oder zu stützen. Abhängig vom Rating und somit von der Bonität des Emittenten gestalten sich die Renditen der Anleihen: Unternehmensanleihen mit erstklassigem Rating weisen eine niedrigere Rendite auf als die mit einem schlechten Rating. Durch eine Rating-Verbesserung während der Laufzeit besteht die Möglichkeit einer Anhebung der Anleihenkurse. Einen Nachteil könnten Zahlungsschwierigkeiten sowie die Insolvenz eines Unternehmens darstellen. Zudem muss während der Laufzeit der Unternehmensanleihen mit einer potenziellen Verschlechterung des Ratings gerechnet werden, wodurch die Kurse fallen können.

 

Bei Unternehmensanleihen mit Investment Grade (Rating-Codes: AAA bis BBB- bzw. Aaa bis Baa3) liegen somit sowohl Zinsänderungsrisiken als auch systematische unternehmerische Ausfallrisiken vor. Sie verhalten sich wie Mischwesen aus Staatsanleihen (Term Risk) und Aktien (Equity Risk) - dadurch korrelieren sie deutlich stärker mit Aktien als Staatsanleihen. Trotzdem brachten Unternehmensanleihen mit Investmentgrade auch über längere Zeiträume nicht zuverlässig höhere Renditen als Staatsanleihen mit Investmentgrade gleicher Laufzeiten.

 

Gesamtmarktabbildungen der Developed Markets

 

Aggregate Bond-Indizes bieten Zugang zu börsennotierten Rentenpapieren mit Investment Grade, die in unterschiedlichen Währungen denominiert werden. Die Hauptsektoren der Indizes sind Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Anleihen staatlicher Stellen und besicherte Anleihen.

 

Der Barclays Global Aggregate Bond Index umfasst alle Anleihen aus dem U.S. Aggregate Index, dem Pan-European Aggregate Index und dem Asian-Pacific Aggregate Index. Zusätzlich sind auch Anleihen, die für eine Aufnahme in den Global Treasury Index, den Eurodollar Index, den Euro-Yen Index, den Canadian Index und den Investment Grade 144A Index in Frage kommen, für eine Aufnahme in den Index geeignet.

 

Hochzinsanleihen der Developed Markets

 

Bei High Yield-Anleihen (Unternehmensanleihen ohne Investment Grade) (Rating-Codes: BB+ bis D bzw. Ba1 bis Caa3) sind die Zinsänderungsrisiken nicht so ausgeprägt wie bei den Unternehmensanleihen mit Investment Grade: eine hochverzinsliche Anleihe hat eine kürzere Duration als eine gleich lang laufende Anleihe mit einem niedrigeren Kupon, weil die hohen Zinszahlungen die mittlere Anlagedauer des gesamten Kapitals (Tilgung und Zinsen) etwas verkürzen. Die Duration beschreibt die Zinsanfälligkeit also genauer als die Laufzeit.

 

Hochzinsanleihen erlauben Spekulationen durch Veränderungen der Laufzeit: möglichst hohe Kurshebel durch möglichst lange Laufzeiten in Hochzinszeiten - in Zinstälern dagegen relativ kurze Laufzeiten, um sich damit wieder an den nächsten Zinsgipfel herantasten zu können. Dabei sollten die Bonitäten der Emittenten beachtet werden - das deutlich erhöhte Ausfallrisiko der Hochzinsanleihen erzeugt eine sehr hohe Korrelation mit den Aktienmärkten.

 

High Yield Bonds

Kennen Sie den Markt für Hochzinsanleihen?

Wie können Anleger im High-Yield-Markt investieren?

Investieren in Hochzinsfonds: Aktiv oder gar nicht!

Hochzins-ETFs: Mythen und Fakten zu einer oft missverstandenen Produktgruppe

 

worth-the-risk-de-tlrv.pdf

High-Yield_Bond_ETFs_A_Primer_on_Liquidity Morningstar Report June 2016.pdf

 

Anleihen der Emerging Markets

 

Staats- und Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern werden in verschiedenen Währungen denominiert (hauptsächlich USD und Lokalwährungen). Neben den Zins- und Währungsrisiken existierte in der Vergangenheit eine hohe Korrelation mit den Aktienmärkten.

 

Emerging Market Bonds

 

Fondsauswahl

 

Um passende Anleihen-ETF für eigene Depotentwürfe zu finden, bieten sich die ETF-Suche von justETF und von der Börse Frankfurt an.

Da bei solchen Übersichten nicht immer alle Daten (bspw. Kosten und Domizil) korrekt sein müssen, sollte man die Angaben bei den jeweiligen Emittenten verifizieren.

 

Bond Basics.pdf

Bonds - Why Bother.pdf

 

Renten-ETF vs. Tagesgeld/Festgeld/Sparbriefe

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Weiterführende Informationen zu Indizes:

 

IHS Markit Indizes

FTSE MTS Indizes

Barclays Indizes

 

Leitzinsen und Zinsstrukturkurven:

 

Leitzinsen

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Börse Stuttgart: Zinsstrukturkurven

Swiss Exchange: Zinsstrukturkurven

Bloomberg: Zinsstrukturkurven

pigbonds.info

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Weiterführende Informationen bezüglich Direktinvestments in Anleihen:

 

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